Belgien befindet sich noch im vorigen Jahrhundert. Dies hat sich vor allem in seiner Kolonialpolitik gezeigt — die ja den historischen Hintergrund der Streikbewegung darstellt. Obgleich Asien und Afrika allerorten auf dem Weg zur Selbständigkeit waren und die westlichen Demokratien ihre (…)
Nach Angaben des Historikers Etienne Verhoyen existierte in Belgien nach 1945 eine starke kommunistische Partei mit 21 Parlamentssitzen. Ein ausreichender Grund für die Errichtung einer Stay-behind-Organisation. Ein amerikanischer Offizier namens Parker soll 1948 im Zusammenhang mit den (…)
Der paraphrasierte Titel von Joseph Conrads Roman „Das Herz der Finsternis“ ist nicht zufällig gewählt, denn der Roman spielt sich um Kisangani in Zaire ab, damals Stanley Falls in Belgisch-Kongo. Ende des vorigen Jahrhunderts klagten Joseph Conrad und Arthur Conan Doyle in ihren Publikationen (…)
Belgien (amtlich Königreich Belgien, niederländisch , französisch ) ist ein föderaler Staat in Westeuropa. Es liegt zwischen der Nordsee und den Ardennen und grenzt an die Niederlande, Deutschland, Luxemburg und Frankreich. Belgien zählte am 1. Januar 2024 rund 11,8 Millionen Einwohner[9] auf einer Fläche von 30.688 Quadratkilometern. Mit 383 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt Belgien zu den am dichtesten besiedelten Staaten. Der Grad der Urbanisierung Belgiens ist mit fast 98 Prozent der höchste in Europa.[10] Brüssel ist die Hauptstadt und Sitz der belgischen Königsfamilie, der Föderalregierung sowie Zentrum der Region Brüssel-Hauptstadt. Die bevölkerungsreichste Stadt ist Antwerpen, gefolgt von Gent, Charleroi, Lüttich (Liège) und Brüssel, während Brüssel und die umgebenden Gemeinden mit insgesamt ca. 1,25 Millionen Einwohnern den größten Ballungsraum bilden. Die Region Brüssel-Hauptstadt umfasst die Stadt Brüssel selbst sowie 18 unabhängige kommunale Einheiten; deren Einwohner werden vom Belgischen Statistikamt separat erfasst.
Seit der Unabhängigkeit 1830 und Verfassungsgebung 1831 ist Belgien eine parlamentarische Erbmonarchie[11][12][13] (siehe auch belgische Monarchie). Die belgische Geschichte reicht allerdings viel weiter zurück: „Belgien ist ein Land mit einem jungen Staat, aber einer langen Geschichte“ (Christoph Driessen).[14] Belgien umfasst vier Sprachgebiete.[15] Der Norden des Landes mit den Flamen ist niederländisches, der Süden mit den Wallonen französisches Sprachgebiet (vgl. Flämische und Französische Gemeinschaft). Die Region Brüssel-Hauptstadt ist offiziell zweisprachig, jedoch heute mehrheitlich frankophon.[16] Im deutschsprachigen Gebiet in Ostbelgien sind Standarddeutsch und westmitteldeutsche Mundarten verbreitet (vgl. Deutschsprachige Gemeinschaft).
Der seit dem 19. Jahrhundert anhaltende flämisch-wallonische Konflikt prägt die oft einander zuwiderlaufenden Interessen der Vertreter der beiden großen Bevölkerungsgruppen in der belgischen Politik. Die Sprachgesetzgebung ist eine Folge dieses Konflikts. Seit den 1970er Jahren wird versucht, diesem Problem durch eine Dezentralisierung der Staatsorganisation zu begegnen. Dazu wurde Belgien in einen Bundesstaat, bestehend aus drei Regionen und drei Gemeinschaften, umgewandelt. Die Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt sowie die Flämische, die Französische und die Deutschsprachige Gemeinschaft bilden seither das politische Grundgefüge des Landes. Der Staatsaufbau Belgiens gilt als komplex, da u. a. die Hoheitsgebiete der Regionen mit jenen der Gemeinschaften nicht deckungsgleich sind.[17] So überschneiden sich die Zuständigkeiten der Französischen und der Flämischen Gemeinschaft in der offiziell zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt, und das kleine Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft gehört zur mehrheitlich französischsprachigen Region Wallonien. Jedoch strebt die Deutschsprachige Gemeinschaft die Ausgliederung aus Wallonien und die Erhebung zur gleichberechtigten vierten belgischen Region neben Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt an.[18][19]
Belgien ist Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der heutigen Europäischen Union (EU), deren wichtigste Institutionen in seiner Hauptstadt Brüssel ihren Sitz haben. Der belgische Staat ist neben den Niederlanden und Luxemburg Mitglied in der Wirtschaftsunion Benelux.
Belgien ist ein hochentwickeltes Industrieland. Es liegt weltweit an sechzehnter Stelle beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und im weltweiten Mittelfeld bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Auf sozialer Ebene bietet das Land ein umfassendes Sozialsystem, das seine Bürger in Notlagen absichert.[20]
Landesname
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Name Belgien begründet sich auf die römische Provinz Gallia Belgica. Dieser nordöstliche Teil Galliens wurde von Stämmen keltischer (d. h. die Belger) und germanischer (d. h. Germani cisrhēnani) Herkunft bewohnt. Im 18. Jahrhundert galt das französische Adjektiv belge oder belgique als Entsprechung von Nederlands ‚niederländisch‘; der kurzlebige unabhängige Belgische Staat von 1790 hieß z. B. auf Französisch États belgiques unis und wurde auf Niederländisch meist Verenigde Nederlandse Staten genannt. Später beschränkte sich der Gebrauch von belge und belgique zunehmend auf die südlichen Niederlande, das heutige Belgien.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Laut den Berechnungen des Königlichen Belgischen Instituts für Naturwissenschaften hat Belgien eine Fläche von 30.688 Quadratkilometern. Davon umfasst
- die Region Brüssel-Hauptstadt 162 Quadratkilometer
- die Flämische Region 13.624 Quadratkilometer[3]
- die Wallonische Region 16.901 Quadratkilometer (darunter Deutschsprachige Gemeinschaft 854 Quadratkilometer)
25 % der Landfläche Belgiens werden für Landwirtschaft genutzt.
Flandern bildet den nördlichen Teil des Landes und besteht überwiegend aus Flach- und Hügelland. Es ist die bevölkerungsreichste Region Belgiens. Die politisch eigenständige Region Brüssel-Hauptstadt ist vollständig von der Flämischen Region umgeben, gehört ihr jedoch nicht an. Im Nordosten Flanderns liegen die sandreichen Kempen; im Westen erstrecken sich Küstenebene und Polder. Besonders dicht besiedelt sind die Räume Antwerpen und Gent, die an der Schelde liegen und das Umland von Brüssel. Im äußersten Westen Flanderns befindet sich die Küste mit der Hafenstadt Ostende.[21]
Die Wallonische Region umfasst den südlichen Teil Belgiens und ist flächenmäßig die größte der drei Regionen. Ihr Relief reicht von den lössbedeckten Hochebenen Mittelbelgiens über die Sambre-Maas-Furche bis zu den Ardennen und Belgisch-Lothringen. Ihr Gebiet ist im Bereich der Ardennen gebirgig und dünn besiedelt. Wichtige Städte sind Lüttich und Namur an der Maas sowie Charleroi an der Sambre. Mons an der Haine, Tournai an Schelde und Mouscron liegen im Westen der Region befinden sich in einem grenzüberschreitenden Ballungsgebiet mit der nordfranzösischen Stadt Lille. In Nil-Saint-Vincent in der Gemeinde Walhain befindet sich der geographische Mittelpunkt des belgischen Festlands.
Geologie und Geomorphologie
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Relief Belgiens
Das Relief Belgiens weist einen deutlichen Gegensatz zwischen dem überwiegend flachen Norden und dem stärker gegliederten Süden auf. Große Teile der Flämischen Region liegen unter 100 Metern Höhe. Südlich der Sambre-Maas-Furche steigt das Gelände über den Condroz und die Fagne-Famenne zu den Ardennen und zum Hohen Venn an. Der höchste Punkt des Landes ist das Signal de Botrange mit 694 Metern.[22]
Naturräumliche Gliederung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Belgien wird herkömmlicherweise nach der Höhenlage in Nieder-, Mittel- und Hochbelgien gegliedert:
- Niederbelgien liegt überwiegend unter 100 Metern und umfasst unter anderem die Küstenebene mit Dünen und Poldern, die flämische Ebene sowie die sandreichen Gebiete der Kempen. Die belgische Küstenlinie ist – je nach Messweise – etwa 65 bis 67 Kilometer lang. Sie besteht aus breiten Sandstränden, an die sich vielerorts Dünen anschließen.[23] Es handelt sich um einen gleichmäßig feinen Sandstrand, ohne Kiesel oder Felsen. An vielen Stränden finden sich Wellenbrecher.
- Mittelbelgien liegt überwiegend zwischen 100 und 200 Metern. Es umfasst die löss- und lehmbedeckten Landschaften des Hennegaus, Brabants und der Hesbaye.
- Hochbelgien liegt überwiegend über 200 Metern und umfasst südlich der Sambre-Maas-Furche unter anderem den Condroz, die Fagne-Famenne, die Calestienne, das Herver Land, die Ardennen und Belgisch-Lothringen.
Südlich der Sambre-Maas-Furche ist der Grund deutlich älter und vielschichtiger. Es treten vielfach paläozoische Gesteine zutage, die während der variszischen Gebirgsbildung gefaltet und später durch Verwitterung freigelegt wurden. Nördlich davon ist das paläozoische Grundgebirge nicht offen aufgeschlossen und wird weitgehend von jüngeren mesozoischen und känozoischen Sedimenten überlagert. Der geologische Bau ist örtlich vielschichtig und lässt sich nicht allein aus der Höhenstufung ableiten.[24]
Küstenlandschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die heutige Küstenlandschaft entstand im Verlauf des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs, durch Meeres-Ablagerungen, Dünenbildung und umfangreiche menschliche Eingriffe. Die Küste besteht aus Sandstränden und einem meist schmalen Dünengürtel, der früher zusammenhängender war, heute jedoch vielerorts durch Siedlungen und Infrastruktur unterbrochen ist. Die Hoge Blekker bei Koksijde ist mit etwa 33 Metern die höchste Düne der belgischen Küste.[25]
Landwärts schließt sich eine flache Polderlandschaft an. Sie entstand aus Ablagerungen des Meeres und von Flüssen und wird durch Deiche, Schleusen und Entwässerungssysteme vor Überflutung geschützt. Die ton- und schluffreichen Polderböden sind bei geregeltem Wasserhaushalt landwirtschaftlich ertragreich.[26]
Flandrische Ebene mit sandigen Böden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwischen den Küstenpoldern, der Leie und der Schelde erstreckt sich einschließlich des Waaslandes die flanderische Ebene. Sandige und sandig-lehmige Ablagerungen prägen große Teile der Landschaft; örtlich kommen tonreichere, staunasse Böden vor. Die Bodenverhältnisse wechseln kleinräumig und können nicht einer einzigen Bodenklasse zugeordnet werden. Sandig-lehmige Gebiete sind etwas fruchtbarer und werden ausgiebiger landwirtschaftlich genutzt als wenig fruchtbare nährstoffarme Sandstandorte.
Kempen (Nord-Limburg)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weiter im Binnenland östlich der Schelde liegt Kempen. Kempen bilden eine flachwellige Landschaft im Nordosten Belgiens. Ihr Untergrund wird von pleistozänen Flussablagerungen von Maas und Rhein (Flussgeest) sowie von durch Wind gebildeten Decksanden großer Mächtigkeit geprägt. Auf den nährstoffarmen Sanden entwickelten sich Podsole und andere saure Böden. Wälder, Äcker, Wiesen, Heiden und Feuchtgebiete wechseln einander ab. Früher bestandene Heideflächen wurden seit dem 19. Jahrhundert teilweise aufgeforstet oder landwirtschaftlich kultiviert.
Löss im Hespengau (Süd-Limburg)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Südlich der Kempen und überwiegend östlich bis südöstlich von Brüssel liegt die Hesbaye (Hesbengau), eine sehr fruchtbare und ausgiebig landwirtschaftlich genutzte Lösslandschaft. Die tiefgründigen Lösslehme gehören zu den fruchtbarsten Böden Belgiens. Angebaut werden unter anderem Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Raps und Obst. Die Gegend um Sint-Truiden ist ein bedeutendes Obstanbaugebiet vor allem für Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Erdbeeren. Sie gilt als der Obstgarten Belgiens. Das nördlich anschließende zwischen Leuven, Tienen, Diest und Aarschot gelegene Hageland weist dagegen vielerorts sandigere und weniger fruchtbare Böden auf. Das Hageland ist eine Übergangslandschaft zwischen dem lössreichen Haspengau im Süden und der sandigen Kempen im Norden.
Ostflandern, Antwerpen und Brabant
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Südlich von Schelde und Rupel werden die Böden in weiten Teilen lehmiger, was für die Landwirtschaft günstiger ist. In Brabant sind fruchtbare Lössböden verbreitet, während das Hageland stärker von sandigen und eisenreichen tertiären Ablagerungen geprägt ist. In Ostflandern durchfließt die Dender eine Landschaft, die im Süden von einer Kette tertiärer Hügel überragt wird. Diese Gegend zwischen Ronse, Geraardsbergen, Oudenaarde und Zottegem wird als Flämische Ardennen bezeichnet, gehört geologisch jedoch nicht zu den eigentlichen Ardennen.
Hennegau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Hügellandschaft der Flämischen Ardennen setzt sich im nordwestlichen Hennegau als Pays des Collines bis Frasnes-lez-Anvaing fort. Dort gibt es eine Wechselfolge von sandige, tonige und mergelige Ablagerungen. Auf den gut drainierten Hängen und Plateaus haben sich vor allem Braunerden und ausgewaschene Böden entwickelt; in Senken und Talauen treten aufgrund des zeitweise hohen Grundwasserstands Gleye auf. Um Mons liegen lössbedeckte Flächen mit ertragreichen Ackerböden. Im ehemaligen Industrierevier um Charleroi wurden Relief und Böden durch Bergbau, Abraumhalden, Industrieanlagen und Siedlungsentwicklung stark durch den Menschen verändert.
Herver Land
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Östlich von Lüttich und der Maas liegt das für seine Bocage-Landschaft bekannte Herver Land. Sein oberflächennaher Untergrund besteht vielerorts aus Kalken, Kreide und Mergeln der Oberkreide, über denen sich lehmige und tonige Verwitterungsböden entwickelten. Die Landschaft wird herkömmlich besonders als Grünland genutzt.
Furche der Sambre und Maas
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Haine-Sambre-Maas-Furche ist eine erdgeschichtlich, oberflächengestaltlich und industriell vielschichtig geprägte Zone. Sie folgt einer bedeutenden tektonischen Störungs- und Faltenzone, an der nördlich gelegene jüngere Sedimentgebiete – unter anderem Kreide- und Tertiärablagerungen – an die älteren paläozoischen Gesteine des südlichen und östlichen Belgien stoßen. Oberflächengestaltlich wird diese Zone durch die Täler von Haine, Sambre und Maas geprägt; sie bildet jedoch keine durchgehend scharfe und einheitliche Landschaftsgrenze.
Entlang dieser Zone liegen die bedeutenden ehemaligen Steinkohlereviere der Borinage, des Pays Noir um Charleroi und des Lütticher Beckens. Zusammen mit dem nordfranzösischen Kohlerevier bildeten sie das große westeuropäische Steinkohlenbecken, das seit dem frühen 19. Jahrhundert zum Kerngebiet der belgischen und nordfranzösischen Industrialisierung wurde.[27] Ab 1901 wurde auch das davon räumlich getrennte Limburger Steinkohlerevier erschlossen.
Condroz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der südlich der Sambre-Maas-Furche gelegene Condroz ist durch einen regelmäßigen Wechsel langgestreckter Rücken und Senken gekennzeichnet. Die Rücken, die sogenannten tiges, bestehen überwiegend aus widerstandsfähigen Sandsteinen und Psammiten; die dazwischenliegenden chavées sind häufig in weniger widerständige Kalk-, Mergel- oder Tongesteine eingeschnitten. Auf Kalken kommen flachgründige Böden wie Rendzinen vor, während sich in den Senken tiefere schwer zu bearbeitende Lehm- und Tonböden entwickelten. Bei Wépion südlich von Namur befindet sich ein traditionsreiches Erdbeeranbaugebiet.
Fagne-Famenne
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Fagne-Famenne bildet eine langgestreckte Senke zwischen Condroz und Ardennen. Ihr Untergrund besteht überwiegend aus devonischen Schiefern und schluffigen Gesteinen. Südlich davon verläuft die schmale Calestienne, in der devonische Kalksteine verbreitet sind. Dort treten zahlreiche Karsterscheinungen wie Höhlen, Dolinen und Trockentäler auf. Fagne-Famenne und Calestienne sind deshalb erdgeschichtlich und von ihrer Oberflächenbeschaffenheit voneinander zu unterscheiden.[28]
Auf den Schiefern der Fagne-Famenne entwickelten sich vielfach schwere, feuchte und steinige Böden, die eher als Grünland für Weidewirtschaft denn für Ackerbau genutzt werden. In der Calestienne kommen über Kalkstein unter anderem flachgründige, basenreiche Böden vor.
Schiefergebirge der Ardennen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Ardennen bilden den westlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Sie bestehen überwiegend aus paläozoischen Schiefern, Sandsteinen, Grauwacken und Quarziten. Aus deren Verwitterung entstanden in den Ardennen vor allem flachgründige, saure und nährstoffarme Braunerden; unter stärkerer Versauerung und Auswaschung kommt es örtlich zur Ausbildung von Podsolen. Diese Böden gestatten der Vegetation nur eine ärmliche Entwicklung. Der größte Teil des Bodens ist mit Weiden, Wäldern und Wiesen bedeckt, und Ackerbau wird nur an wenigen Orten betrieben. Das stark zertalte Hochland ist großflächig bewaldet. Im Hohen Venn erreicht Belgien am Signal de Botrange 694 Meter nahe der Grenze zu Deutschland. Die höchstgelegene Ortschaft Belgiens ist das ostbelgische Mürringen (655 m O.P.).. Es handelt sich um die höchste Erhebung Belgiens. Dort begünstigen hohe Niederschläge, niedrige Temperaturen und schlechte Entwässerung die Bildung von Mooren und Torfböden.
In den Ardennen überwiegen saure, häufig steinige und teilweise staunasse Böden. Neben Forstwirtschaft und Grünlandnutzung ist Ackerbau vor allem in günstigeren Lagen möglich. Größere Torfgebiete liegen insbesondere im Hohen Venn südlich von Eupen.
Gaume
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ganz im Süden Belgiens liegt die Gaume, der südliche Teil Belgisch-Lothringens. Geologisch gehört sie zum Rand des Pariser Beckens. Den Untergrund bilden vor allem Ablagerungen der Trias und des Jura, darunter Mergel, Kalkstein, Sandstein und Ton.[29] Die Schichten bilden eine die Gegend prägende Schichtstufenlandschaft. Das im belgischen Vergleich milde Klima begünstigt neben Acker- und Obstbau örtlich auch den Weinbau, insbesondere um Torgny.[30]

Gewässer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Belgien ist reich an Gewässern. Der größte Teil Belgiens gehört zu den Einzugsgebieten von Schelde und Maas. Kleinere Gebiete entwässern unter anderem über die Yser unmittelbar zur Nordsee sowie über Rhein-Nebenflüsse. Zu den bedeutenden Flüssen gehören:
- Amel (französisch Amblève)
- Demer
- Dender (französisch Dendre)
- Dijle (französisch Dyle)
- Göhl (französisch Gueule, niederländisch Geul)
- Henne (französisch Haine, niederländisch Hene)
- Leie (französisch Lys)
- Lesse
- Maas (französisch Meuse)
- Nete (französisch Nèthe)
- Ourthe
- Rupel
- Rur (französisch und niederländisch Roer)
- Sambre (niederländisch Samber)
- Semois
- Senne (niederländisch Zenne)
- Schelde (französisch Escaut)
- Sauer (französisch Sûre)
- Weser (französisch Vesdre, niederländisch Vesder)
- Yser (niederländisch IJzer)
Zu den bedeutenden Kanälen gehören:
- Albert-Kanal
- Boudewijnkanal (niederländisch Boudewijnkanaal)
- Kanal Brügge–Ostende (niederländisch Kanaal Brugge–Oostende)
- Kanal Charleroi–Brüssel
- Kanal Gent–Brügge (niederländisch Kanaal Gent–Brugge)
- Kanal Gent–Terneuzen (niederländisch Kanaal Gent–Terneuzen)
- Kanal Nimy–Blaton–Péronnes (französisch Canal Nimy-Blaton-Péronnes)
- Seekanal Brüssel–Schelde (niederländisch Zeekanaal Brussel–Schelde, französisch Canal maritime de Bruxelles à l’Escaut)
- Zentrumskanal (französisch Canal du Centre, niederländisch Centrumkanaal)
Maas, Schelde und Yser entspringen in Frankreich. Die Yser mündet bei Nieuwpoort in Belgien in die Nordsee; Maas und Schelde erreichen die Nordsee über die Niederlande. An der Amel (Amblève) befinden sich bei Coo in der Nähe von Stavelot die Wasserfälle von Coo sowie das Pumpspeicherkraftwerk Coo-Trois-Ponts, das größte Pumpspeicherkraftwerk Belgiens.
Zu den bedeutenden Nebenflüssen der Maas gehören Ourthe, Sambre, Lesse und Semois. Wichtige Nebenflüsse der Schelde sind Leie, Dender und Rupel; die Ieperlee entwässert zur Yser.
Belgien verfügt über ein dichtes Kanalnetz, das Industriegebiete, Binnenhäfen und Seehäfen – vor allem die Hafenstadt Antwerpen – miteinander verbindet. Der Albert-Kanal schließt Lüttich über Hasselt und Genk mit dem Raum Antwerpen an, der Kanal Brüssel–Charleroi verbindet das Sambrebecken mit Brüssel und der Zeekanal Brüssel–Schelde (Willebroek-Kanal) Brüssel mit der Schelde. Der Canal du Centre zweigt bei Seneffe vom Kanal Charleroi–Brüssel ab und führt über La Louvière und das Haine-Tal bis zum Grand Large bei Mons Nimy, wo er an den Kanal Nimy–Blaton–Péronnes anschließt. Er schließt damit die Borinage und das Centre an die Verbindung nach Charleroi und Brüssel an. Am Kanal Brüssel–Charleroi liegt das Schiffshebewerk Ronquières, am Canal du Centre das Schiffshebewerk Strépy-Thieu.
Größere natürliche Seen fehlen weitgehend. Zu den größten künstlichen Seen gehören die Lacs de l’Eau d’Heure südlich von Charleroi bei Cerfontaine sowie die Talsperre Bütgenbach und die Talsperre Robertville.
An Mineralquellen ist Belgien, namentlich im Gebiet der Maas, sehr reich. Die berühmtesten sind die sauren Mineralquellen von Spa und die warmen Quellen von Chaudfontaine. In Spa gibt es unter anderem die eisenhaltige Quelle Pouhon Pierre-le-Grand sowie andere Pouhons wie Sauvenière, Barisart, Groesbeek, Reine, Tonnelet und die schwefelhaltige Quelle Pouhon Géronstère und kohlensäurereiche und Eisen-Kohlesäure-Mischtypen wie Marie-Henriette. Die Thermalquelle Chaudfontaine ist die einzige natürliche Thermalquelle Belgiens mit einer Wassertemperatur von ungefähr 37 Grad Celsius und einem unterirdischen Ursprung in Tiefe von 1600 Metern. Außerdem gibt es unter anderem eisenhaltige Quellen bei Stavelot, Aubel, weitere Schwefelquellen und versteinerte Quellen.
Klima und Wetter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Belgien besitzt ein gemäßigtes ozeanisches Klima, das in der Köppen-Geiger-Klassifikation überwiegend dem Typ Cfb entspricht. Es wird durch die Lage in den mittleren Breiten, die Nähe zum Atlantik und zur Nordsee sowie die häufige Zufuhr maritimer Luftmassen geprägt. Typisch sind verhältnismäßig milde Winter, mäßig warme Sommer und ganzjährig auftretende Niederschläge.[31]
Die Temperaturen nehmen im Allgemeinen mit der Höhenlage ab. Die Küste weist aufgrund des ausgleichenden Einflusses der Nordsee mildere Winter und etwas kühlere Sommer als das Binnenland auf. Die niedrigsten Jahresmittel werden in den höheren Lagen der Ardennen und insbesondere im Hohen Venn erreicht. Auch die Niederschlagsmengen nehmen mit der Höhe zu. In Nieder- und Mittelbelgien fallen im langjährigen Mittel etwa 700 bis 850 Millimeter Niederschlag pro Jahr; in den höheren Lagen südlich der Sambre-Maas-Furche steigen die Mengen deutlich an und erreichen in den Hautes Fagnes fast 1400 Millimeter. Dabei verstärkt das Relief den Niederschlag, da feuchte Luftmassen an den Hängen zum Aufsteigen gezwungen werden.[32]
Belgien wird häufig von atlantischen Tiefdruckgebieten und den mit ihnen verbundenen Frontensystemen beeinflusst. Dadurch ist das Wetter häufig wechselhaft, windig und niederschlagsreich. Bei der Passage eines Tiefdrucksystems können nacheinander Warmfront, Warmsektor und Kaltfront auftreten. Warmfronten sind häufig mit länger anhaltenden Niederschlägen verbunden; im Warmsektor gelangt feuchte maritime Luft nach Belgien, während Kaltfronten mit Niederschlag und einem Wechsel der Luftmasse einhergehen können. Im Winter können Hochdruck- und insbesondere Inversionslagen zu Nebel, niedrigen Temperaturen und einer erhöhten Konzentration von Luftschadstoffen führen. In den Ardennen treten aufgrund der Höhenlage häufiger Schnee und länger anhaltende Schneedecken auf. Nebel ist dort ebenfalls häufig, insbesondere im Herbst und Winter. Die Küste weist dagegen die höchsten mittleren Windgeschwindigkeiten des Landes auf.
Für die aktuelle Klimabeschreibung verwendet das Königliche Meteorologische Institut die internationale Normalperiode 1991–2020. Die Sonnenscheindauer in Belgien insgesamt recht gering. In Uccle beträgt die normale jährliche Sonnenscheindauer rund 1604 Stunden. Die Sonnenscheindauer weist dabei regionale Unterschiede auf und ist insbesondere in den südlichen und küstennahen Landesteilen teilweise höher.[33]
Städte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2023 lebten 98 Prozent der Einwohner Belgiens in Städten.[34] Belgien ist eines der meist verstädterten Länder der Welt (siehe: Liste der Länder nach Urbanisierung).
| Rang | Stadt | Einwohner Stadt 1. Januar 2024[35] |
Einwohner Bezirk Januar 2022[35] |
|---|---|---|---|
| 01 | Antwerpen | 0.544.759 | ~1.064.000 |
| 02 | Gent | 0.269.597 | 0.~569.000 |
| 03 | Charleroi | 0.204.322 | 0.~397.000 |
| 04 | Brüssel | 0.196.828 | ~1.223.000 |
| 05 | Lüttich (frz. Liège) | 0.195.778 | 0.~625.000 |
| 06 | Schaerbeek/Schaarbeek | 0.130.405 | Teil der Region Brüssel |
| 07 | Anderlecht | 0.126.581 | Teil der Region Brüssel |
| 08 | Brügge (nld. Brugge) | 0.119.869 | 0.~283.000 |
| 09 | Namur | 0.114.142 | 0.~320.000 |
| 10 | Löwen (nld. Leuven) | 0.104.009 | 0.~518.000 |
Die bedeutendsten Städte liegen an Flüssen. An der Schelde liegen Tournai, Oudenaarde, Gent, Dendermonde und Antwerpen. An der Leie (Lys), die in Gent in die Schelde mündet, liegen Kortrijk und Deinze. An der Maas (Meuse) liegen Dinant, Namur und Lüttich und an der Sambre Charleroi. An der Dender liegen Ath, Lessines, Geraardsbergen, Ninove, Denderleeuw, Aalst und an der Mündung in die Schelde Dendermonde. Die Hauptstadt Brüssel ist eine Ausnahme, da sie nur durch den kleinen Fluss der Senne durchflossen wird und durch den Kanal Brüssel–Charleroi sowie den Willebroek-Kanal künstlich an das Flusssystem angeschlossen ist. An der Senne befindet sich Soignies, Rebecq, Tubize, Halle, Brüssel, Vilvoorde und die Senne fließt in einem gewissen Abstand an Mechelen vorbei. Genappe, Ottignies-Louvain-la-Neuve, Wavre und Löwen liegen an der Dijle. Hasselt liegt am Albert-Kanal und der dem Fluss Demer, die bei Löwen in die Dijle fließt. Lier liegt an der Nete. Eupen, Verviers und Chaudfontaine liegen an der Weser.
Komplizierter Grenzverlauf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sowohl im Grenzverlauf zu den Niederlanden (Grenze zwischen Belgien und den Niederlanden mit den Gemeinden Baarle-Nassau sowie Baarle-Hertog) als auch in Ostbelgien (Grenze zwischen Belgien und Deutschland) gibt es zahlreiche Exklaven sowie Enklaven, so u. a. die Vennbahn-Exklaven. Auch innerhalb Belgiens gibt es Exklaven und Enklaven, so ist z. B. die Gemeinde Voeren eine Exklave der belgischen Provinz Limburg und der Region Flandern. Auch die Gemeinde Comines-Warneton ist eine Exklave der belgischen Provinz Hennegau und der Region Wallonien.
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Demographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 1. Januar 2026 hatte Belgien 11.867.634 Einwohner. Gegenüber dem 1. Januar 2025 nahm die Bevölkerung um 42.083 Personen beziehungsweise 0,36 Prozent zu.[36] Im Jahr 2025 wurden 108.033 Geburten und 112.923 Sterbefälle registriert. Dies entsprach einer Geburtenziffer von rund 9,1 und einer Sterbeziffer von rund 9,5 je 1000 Einwohner. Der daraus sich ergebende Sterbeüberschuss von 4.890 Personen wurde durch einen positiven internationalen Wanderungsüberschuss von 47.562 Personen mehr als ausgeglichen.[37][38]
Die zusammengefasste Geburtenziffer lag 2025 bei 1,43 Kindern je Frau; 2024 hatte sie 1,44 betragen. Der zuletzt verfügbare Vergleichswert der Europäischen Union lag 2024 bei 1,34 Kindern je Frau.[39][40]
Die Lebenserwartung bei der Geburt betrug 2025 insgesamt 82,5 Jahre. Bei Frauen lag sie bei 84,4 Jahren und bei Männern bei 80,5 Jahren.[41] Das Medianalter der Bevölkerung lag am 1. Januar 2025 bei 42,1 Jahren.[42]
Am 1. Januar 2026 waren 2.304.673 Einwohner beziehungsweise rund 19,4 Prozent der Bevölkerung jünger als 18 Jahre. 2.452.949 Einwohner beziehungsweise 20,67 Prozent waren mindestens 65 Jahre alt.[43]
Bevölkerungsstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bevölkerung Belgiens wird häufig anhand der drei Gemeinschaften und vier offiziellen Sprachgebiete (d. h. des niederländischen, des französischen, des deutschen und des zweisprachig französisch-niederländischen) beschrieben. Genaue amtliche Daten zur Verteilung der tatsächlich gesprochenen Sprachen werden nicht erhoben, nachdem die Sprachzählungen 1961 gesetzlich abgeschafft worden sind. Die amtlichen Sprachgrenzen wurden 1962 beziehungsweise 1963 festgelegt.[44] Daher beruhen Angaben über den Anteil der niederländisch-, französisch- und deutschsprachigen Bevölkerung auf Schätzungen und dürfen nicht mit den Einwohnerzahlen der Regionen oder Gemeinschaften gleichgesetzt werden. Es ist aber davon auszugehen, dass sie ihnen zumindest annähernd entsprechen.
Flamen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Flamen werden heute im allgemeinen Sprachgebrauch vor allem die Einwohner der Flämischen Region bezeichnet. Dazu gehören die Provinzen Antwerpen, Flämisch-Brabant, Limburg, Ostflandern und Westflandern. Daneben gibt es Niederländischsprachige in der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt sowie niederländischsprachige Minderheiten im offiziell französischen Sprachgebiet, die ebenfalls aufgrund ihrer Muttersprache als Flamen gelten. Außerdem waren bis ins 20. Jahrhundert Flamen mit französischer Muttersprache feststellbar, insbesondere im Bürgertum der großen Städte Flanderns; sie stammten aus Familien, die sich an die seinerzeit dominanten frankophonen Milieus assimiliert hatten. Andererseits war die Bevölkerung Brüssels noch im 19. Jahrhundert überwiegend niederländischsprachig, also „flämisch“; sie assimilierte sich jedoch bis ins 20. Jahrhundert fast vollständig an das Französische. (Auch in diesem Sinne ist Brüssel trotz der heutigen Dominanz des Französischen keine „wallonische“ Stadt.) Enger gefasst kann sich der Begriff Flame allein auf die Einwohner der Provinzen West- und Ostflandern (sowie, außerhalb Belgiens, auf Französisch-Flandern) beziehen, während dann z. B. die Einwohner Brabants – auf heutiger Provinzialebene, aber auch historisch gesehen – Brabanter sind. Das politische Zentrum der Vorgängerstaaten des belgischen Königreichs lag seit dem Mittelalter im Herzogtum Brabant mit seiner Residenzstadt Brüssel.
Wallonen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unter dem Begriff Wallonen versteht man die überwiegend französischsprachige Bevölkerung der Wallonischen Region. Von ihnen sind offiziell und historisch die französischsprachigen Einwohner der Region Brüssel-Hauptstadt zu unterscheiden, da zum einen Brüssel und seine Vororte nicht zur Wallonischen Region gehören und zum anderen ihre Bevölkerung bis ins 19. Jahrhundert mehrheitlich niederländischsprachig war. Demnach sind Brüsseler ursprünglich an die französische Kultur assimilierte Flamen. Trotzdem werden heute im inoffiziellen Sprachgebrauch auch die Frankophonen Brüssels – wegen ihrer Mutter- und Umgangssprache – oft als Wallonen bezeichnet; in diesem Sinne ist dann Wallone ein Synonym für alle frankophonen Belgier. Französischsprachige Minderheiten sind auch in Gemeinden des niederländischen und des deutschen Sprachgebiets zu finden.
Deutsch- und Luxemburgischsprachige
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das deutsche Sprachgebiet besteht hauptsächlich aus den neun Gemeinden Amel, Büllingen, Burg-Reuland, Bütgenbach, Eupen, Kelmis, Lontzen, Raeren und Sankt Vith. Sie bilden das Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft.[45] Am 1. Januar 2026 zählte diese insgesamt 79.515 Einwohner.[46] Die Einwohnerzahl der Gemeinschaft entspricht allerdings nicht genau der Zahl der deutschsprachigen Belgier, da einerseits auch Anderssprachige in ihrem Gebiet und andererseits Deutschsprachige außerhalb der Gemeinschaft leben. Deutschsprachige Minderheiten gibt es insbesondere in Malmedy und Weismes, aber auch weiter nördlich in der Gegend von Welckenraedt (Plattdeutsche Gemeinden), die offiziell zum französischen Sprachgebiet gehört. Die Gesamtzahl der deutschsprachigen Belgier wird auf rund 100.000 geschätzt. Ehemals zum deutschen Sprachgebiet gerechnet, jedoch ohne offiziellen Status, wurde lange Zeit auch die luxemburgischsprachige Minderheit in der Provinz Luxemburg (in Arlon und Umgebung); diese gehört heute offiziell zum französischen Sprachgebiet.
Fazilitätengemeinden und Sonderregelungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mehrere Gemeinden haben den Status einer Fazilitäten-Gemeinde; dort sind Spracherleichterungen für die historischen Minderheiten möglich. Im niederländischen Sprachgebiet besitzen sechs Gemeinden im Brüsseler Umland (Drogenbos, Kraainem, Linkebeek, Sint-Genesius-Rode, Wemmel und Wezembeek-Oppem) sowie sechs Sprachgrenzgemeinden (Bever, Herstappe, Mesen, Ronse, Spiere-Helkijn und Voeren) Fazilitäten für Französischsprachige. Im französischen Sprachgebiet besitzen Comines-Warneton, Enghien, Flobecq und Mouscron Fazilitäten für Niederländischsprachige sowie Malmedy und Weismes für Deutschsprachige. In den Gemeinden Baelen, Plombières und Welkenraedt bestehen begrenzte Sonderregelungen im Bildungsbereich für Deutsch- und Niederländischsprachige. Alle neun Gemeinden des deutschen Sprachgebiets besitzen Fazilitäten für Französischsprachige.[47] Im Areler Land besteht keine Sprachfazilität für das Luxemburgische.[47] Darüber hinaus gibt es keinerlei Fazilitäten oder Sonderregelungen für andere Städte oder Gemeinden Belgiens. Die allermeisten Städte und Gemeinden der Wallonischen Region und der Flämischen Region sind somit offiziell einsprachig; d. h. die wallonischen gelten als französischsprachig, die flämischen als niederländischsprachig, und nur Französisch bzw. Niederländisch ist dort die allgemeine Gerichts-, Verwaltungs- und Schulsprache.
Weitere Gruppen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Voyageurs, Gens du voyage oder Woonwagenbewoners werden je nach sprachlichem Zusammenhang unterschiedliche in Belgien lebende Gruppen von Wohnwagenbewohnern bezeichnet. Dazu gehören unter anderem die der Ethnie der Sinti angehörenden Manouches, Jenische und Gruppen anderer Herkunft. Von ihnen werden die Roma in amtlichen und wissenschaftlichen Darstellungen teilweise unterschieden. Roma und Wohnwagenbewohner bilden keine einheitliche ethnische oder kulturelle Gruppe; verlässliche aktuelle Gesamtzahlen liegen nicht vor.[48]
Gruppen ausländischer Herkunft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit Stand vom 1. Januar 2026 waren laut dem belgischen Statistikamt Statbel 63,4 Prozent der Bevölkerung Belgier mit belgischer Herkunft. 22,8 Prozent waren Belgier mit ausländischer Herkunft und 13,8 Prozent Nichtbelgier.[49] Die Kategorie „ausländische Herkunft“ wird von Statbel anhand der gegenwärtigen und der ersten Staatsangehörigkeit einer Person sowie der ersten Staatsangehörigkeit ihrer Eltern bestimmt. Sie ist daher nicht mit einer ethnischen Zugehörigkeit oder einer eigenen Migrationserfahrung gleichzusetzen. So sind 67,7 Prozent der Belgier mit ausländischer Herkunft selbst in Belgien geboren.[49]
Die Bevölkerung ausländischer Herkunft stammt aus zahlreichen europäischen und außereuropäischen Staaten. Von den Belgiern mit ausländischer Herkunft und den Nichtbelgiern entfielen 2026 nach der von Statbel verwendeten Herkunftsnationalität 44,9 Prozent auf Mitgliedstaaten der Europäischen Union und die europäischen Nachbarstaaten, während 55,1 Prozent eine Herkunftsnationalität außerhalb der Europäischen Union besaßen.[49] Eine umfassende amtliche Erhebung der innerhalb dieser Bevölkerungsgruppen gesprochenen Sprachen gibt es nicht. Große von außerhalb Europas stammende Bevölkerungsgruppen haben Wurzeln in Marokko, der Türkei, Algerien und der Demokratischen Republik Kongo.
Sprachen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Amtssprachen
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Niederländisches Sprachgebiet Französisches Sprachgebiet Deutsches Sprachgebiet
Französisches und niederländisches Sprachgebiet.Die so definierten Gebiete sind nicht deckungsgleich mit den tatsächlichen Sprachgebieten, die sich an ihren Grenzen stellenweise überschneiden. In vielen Städten und Gemeinden dieser Grenzbereiche gelten Fazilitäten für Anderssprachige
Gemäß Artikel 4 der belgischen Verfassung umfasst das Land vier Sprachgebiete: das niederländische, das französische und das deutsche Sprachgebiet sowie das zweisprachige Gebiet Brüssel-Hauptstadt. Jede belgische Gemeinde gehört einem dieser Sprachgebiete an.[44]
In Belgien haben drei Sprachen den Status einer Amtssprache:
- Niederländisch; siehe dazu Flandern und Belgisches Niederländisch
- Französisch; siehe dazu Wallonische Region und Belgisches Französisch
- Deutsch; siehe dazu Deutschsprachige Gemeinschaft.
Die häufig genannten Anteile von ungefähr 60 Prozent Niederländischsprachigen, rund 40 Prozent Französischsprachigen und weniger als einem Prozent Deutschsprachigen sind Schätzwerte, da seit 1961 keine amtlichen Sprachzählungen mehr stattfinden.[44] Artikel 30 der belgischen Verfassung regelt für Bürger und private Betriebe, dass der Gebrauch der in Belgien gesprochenen Sprachen frei ist. Damit ist grundsätzlich die Sprachenfreiheit von Bürgern und auch Unternehmen verfassungsrechtlich geschützt. Artikel 129 der Verfassung legt aber ausdrücklich bestimmte Bereiche fest, in denen die Sprachgemeinschaften die private Sprachverwendung regeln dürfen – darunter Arbeitsbeziehungen und gesetzlich vorgeschriebene Unternehmensunterlagen.
Geschichtliche Entwicklung der Sprachgesetzgebung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach der Unabhängigkeit Belgiens 1830 beherrschte Französisch zunächst die staatliche Verwaltung, die Justiz, das höhere Bildungswesen und das politische Leben. Die belgische Verfassung gewährleistete jedoch grundsätzlich die Freiheit des Sprachgebrauchs. Durch mehrere zwischen 1873 und 1963 verabschiedete Sprachgesetze wurden Niederländisch, Französisch und Deutsch schrittweise als Amtssprachen anerkannt und ihr Gebrauch in Verwaltung, Justiz und Bildung geregelt.[50]
Mit dem Gleichheitsgesetz von 1898 erhielten niederländische und französische Gesetzestexte den gleichen rechtlichen Rang.[51] Die tatsächliche Gleichstellung des Niederländischen in Verwaltung, Justiz und Bildungswesen erfolgte jedoch nur schrittweise. Die Flämische Bewegung hatte bereits seit dem 19. Jahrhundert die stärkere Verwendung des Niederländischen gefordert; nach dem Ersten Weltkrieg gewannen diese Forderungen weiter an politischem Gewicht.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Gebiete Eupen, Malmedy und Sankt Vith infolge des Versailler Vertrags Belgien angegliedert. Die rechtliche Stellung des Deutschen entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten schrittweise. Das deutsche Sprachgebiet wurde im Zuge der Sprachgesetzgebung von 1962 und 1963 festgelegt; die Einteilung Belgiens in vier Sprachgebiete wurde 1970 in der Verfassung verankert.[45]
Das Gesetz von 1921 leitete den Übergang zum Gebietsgrunsatz ein. Die Sprachgesetzgebung von 1932 baute diese Bestimmung weiter aus und unterschied das niederländische, französische und deutsche Sprachgebiet sowie das zweisprachige Gebiet Brüssel. Die heute geltende Sprachgrenze wurde 1962 und 1963 festgelegt.[52] Sonderregelungen bestehen in der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt sowie in den Fazilitätengemeinden. Die sprachrechtliche Einteilung regelt vor allem den Sprachgebrauch der Behörden und öffentlichen Einrichtungen, nicht den privaten Sprachgebrauch der Einwohner.
Die Französische Gemeinschaft erkannte 1990 die auf ihrem Gebiet seit langem gesprochenen einheimische Regionalsprachen als kulturelles Erbe an. Dazu gehören unter anderem Wallonisch, Picardisch, romanisches Lothringisch, Champenois, das Moselfränkisch/Luxemburgisch sowie weitere germanische Regionalvarietäten. Diese Anerkennung verleiht ihnen jedoch nicht den Status einer belgischen Amtssprache.[53]
Das Niederländische Belgiens wird oft als Flämisch bezeichnet. In diesem Fall ist meist kein flämischer Dialekt gemeint, sondern die allgemeine niederländische Standardsprache, die in Belgien meist, auch in Hörfunk und Fernsehen, mit einem mehr oder weniger ausgeprägten lokalen Akzent gesprochen wird. Belgizismen auch im Wortschatz kommen häufig vor. Als Schriftsprache wird in Schulen und Schulbüchern die niederländische Standardsprache gelehrt.
Mundarten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im 19. und bis weit in das 20. Jahrhundert hinein sprach ein großer Teil der belgischen Bevölkerung im Alltag Mundarten. Auch heute werden Dialekte, Regiolekte und Übergangsformen zwischen Mundart und Standardsprache verwendet. Der Begriff Tussentaal bezeichnet dabei insbesondere in Flandern verbreitete Umgangsvarietäten zwischen den niederländischen Dialekten und dem Standardniederländischen.
Zu den niederländischen Dialektgruppen in Flandern gehören Westflämisch, Ostflämisch, Brabantisch und Limburgisch. Brabantische Varietäten werden unter anderem in Antwerpen und im flämischen Umland von Brüssel gesprochen. Ostflämisch besitzt sowohl westflämische als auch brabantische Merkmale. Limburgisch gehört zum südniederfränkischen Dialektkontinuum.[54]
Einen Sonderfall bilden die Brüsseler Stadtmundarten. Das Brusseleir der Niederländischsprachigen beruht auf einer brabantischen Grundlage und weist starke französische Einflüsse auf. Daneben entwickelten sich französischbasierte Brüsseler Mundarten, die aus dem Assimilationsprozess einer überwiegend Niederländisch (d. h. in diesem Fall Brabantisch) sprechenden Stadtbevölkerung an die dominierende Verwaltungs- und Bildungssprache, das Standardfranzösische, hervorgegangen sind (Französisierung Brüssels). Das umgangssprachliche Brüsseler Französisch enthält daher zahlreiche germanische Elemente. Die französischen Mundarten Brüssels sind somit keine Varietäten des Wallonischen, das südlich von Brüssel die vorherrschende Umgangssprache der Bevölkerung war.
Im französischen Sprachgebiet werden beziehungsweise wurden von altersher vor allem Wallonisch und daneben Picardisch, romanisches Lothringisch und Champenois gesprochen. Deren heutige Verbreitung ist unterschiedlich und gegenüber dem Standardfranzösischen stark zurückgegangen.
Im Areler Land werden noch moselfränkische Varietäten gesprochen, die heute dem Luxemburgischen zugerechnet werden. Sie erhielten dort keinen amtlichen Status. Die belgisch-luxemburgische Staatsgrenze, die infolge der Teilung Luxemburgs auf der Londoner Konferenz von 1839 entstand, stimmt nicht genau mit der Sprachgrenze zwischen romanischen und germanischen Mundarten überein.
In Ostbelgien werden – abgesehen von den dort siedelnden romanischen, d. h. französisch- oder wallonischsprachigen Bevölkerungsgruppen – drei größere germanische Dialekträume unterschieden: ein südniederfränkischer, ein ripuarischer und ein moselfränkischer Dialektraum. Südniederfränkische und ripuarische Varietäten werden vor allem im nördlichen und mittleren Teil Ostbelgiens gesprochen, während im südlichen Teil um Sankt Vith, Amel, Büllingen und Burg-Reuland moselfränkische Dialekte verbreitet sind. Daneben bestehen zahlreiche örtliche Übergangsformen.[55] Ripuarische beziehungsweise niederfränkische Dialekte werden außerdem in den plattdeutschen Gemeinden Baelen, Plombières und Welkenraedt sowie teilweise in Malmedy und Weismes gesprochen.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vor der Staatsgründung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Teil der römischen Provinz Gallia Belgica – deren Name auf die von Caesar als Belgae bezeichneten Bevölkerungsgruppen zurückgeht – erlebte das heutige Gebiet Belgiens zahlreiche Herrschaften. Es war im Frühmittelalter Teil des Fränkischen Reiches, wurde bei dessen Teilungen mehrfach politisch geteilt und zerfiel später in einzelne Herzogtümer und Grafschaften. Das Herzogtum Brabant, das Herzogtum Limburg, die Grafschaft Hennegau und das Hochstift Lüttich gehörten zum Heiligen Römischen Reich, während der größte Teil der Grafschaft Flandern unter französischer Lehnshoheit stand und als Kronflandern bezeichnet wurde. Ein Teil Flanderns östlich der Schelde – Reichsflandern – gehörte dagegen zum Heiligen Römischen Reich. Im Konflikt zwischen dem französischen König und den flämischen Städten fand 1302 die Sporenschlacht statt.
Die Grafschaft Flandern war nicht deckungsgleich mit der heutigen Region Flandern, da Limburg und Brabant einschließlich Antwerpens nicht zu ihr gehörten. Dafür umfasste sie zeitweise auch den ursprünglich niederländischsprachigen Westhoek bei Dünkirchen und das französischsprachige romanische Flandern um Lille und Douai, die heute Teile von Französisch-Flandern bilden. Vom Hochmittelalter bis zur frühen Neuzeit gehörten die Städte Flanderns mit ihren Tuchindustrien zu den bedeutendsten Wirtschaftszentren Europas.
Die Grafschaft Flandern, die zuvor vom Haus Flandern und vom Haus Dampierre regiert worden war, fiel 1384 nach dem Tod Ludwigs II. durch die bereits 1369 geschlossene Ehe seiner Erbtochter Margarete mit Philipp dem Kühnen an das Haus Burgund. Brabant und Limburg fielen 1430 an Philipp den Guten. Der Hennegau war zuvor gemeinsam mit Holland und Zeeland von der wittelsbachischen Linie Straubing-Holland regiert worden und gelangte 1433 endgültig unter burgundische Herrschaft.[56] Diese Gebiete wurden 1512 größtenteils dem Burgundischen Reichskreis zugeordnet. Das Hochstift Lüttich blieb äußerlich selbstständig, geriet jedoch zeitweise unter starken burgundischen Einfluss. Die vier burgundischen Herzöge aus dem Haus Valois waren Philipp der Kühne von 1363 bis 1404, Johann Ohnefurcht von 1404 bis 1419, Philipp der Gute von 1419 bis 1467 und Karl der Kühne von 1467 bis 1477. Diese Zeit bildete eine Hochblüte der Kunst. Die Altniederländische Malerei mit herausragenden Vertretern wie Rogier van der Weyden, Hugo van der Goes und Jan van Eyck gibt davon Zeugnis. Auch die Franko-flämische Musik war von großer Bedeutung für die spätere Entwicklung der europäischen Musikgeschichte.
Nach dem Tod Karls des Kühnen 1477 gelangten die burgundischen Niederlande durch die Heirat seiner Erbtochter Maria von Burgund mit Maximilian von Österreich, dem späteren römisch-deutschen König und Kaiser, an die Habsburger. Mit den Abdankungen Karls V. 1555 und 1556 wurde die Teilung der Habsburgerdynastie in eine spanische und eine österreichische Linie vollzogen. Die niederländischen Provinzen fielen an die spanischen Habsburger.
1579 bildeten sich die katholische Union von Arras und die calvinistisch geprägte Utrechter Union. Die Provinzen der Utrechter Union sagten sich 1581 von Spanien los und bildeten die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen, deren Unabhängigkeit 1648 im Frieden von Münster anerkannt wurde. Die südlichen Provinzen, darunter der größte Teil Flanderns und Brabants, blieben als Spanische Niederlande unter spanisch-habsburgischer Herrschaft. Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger im Jahr 1700 und dem Spanischen Erbfolgekrieg kamen die nunmehrigen Österreichischen Niederlande 1714 unter die Herrschaft der österreichischen Habsburger.
Infolge der absolutistisch-zentralistischen Reformpolitik Kaiser Josephs II. kam es 1789 zur Brabanter Revolution und 1790 zur Ausrufung der kurzlebigen Vereinigten Belgischen Staaten. Das revolutionäre Frankreich besetzte die Österreichischen Niederlande erstmals 1792, eroberte sie 1794 dauerhaft und gliederte sie 1795 in die Französische Republik ein. Auf dem Wiener Kongress wurden die südlichen und nördlichen Niederlande 1815 zum Vereinigten Königreich der Niederlande vereinigt. Brüssel und Den Haag dienten abwechselnd als Residenz- und Regierungssitze König Wilhelms I.
Nach der Staatsgründung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Zuge der Belgischen Revolution erklärte Belgien 1830 seine Unabhängigkeit von den Niederlanden. Es wurde eine konstitutionelle parlamentarische Monarchie errichtet. Der Nationalkongress wählte Leopold von Sachsen-Coburg zum ersten König der Belgier; er legte am 21. Juli 1831 den Eid auf die Verfassung ab. Die niederländische Anerkennung der belgischen Unabhängigkeit erfolgte erst 1839.[57] Von Anfang an war das Land durch Spannungen geprägt. Politisch herrschte zunächst der Gegensatz zwischen Liberalen, die staatliche Modernisierung und Säkularisierung vorantrieben, und Katholiken, die den Einfluss der Kirche im Bildungswesen und im gesellschaftlichen Leben verteidigten. Wirtschaftlich entwickelte sich Belgien, insbesondere Wallonien, mit Kohlebergbau, Stahlerzeugung und Textilindustrie zur ersten stark industrialisierten Volkswirtschaft Kontinentaleuropas.
Die Jahre 1879 bis 1884 waren vom Ersten Schulstreit geprägt. Die liberale Regierung unter Walthère Frère-Orban beschloss 1879 ein Gesetz, nach dem jede Gemeinde mindestens eine weltanschaulich neutrale Grundschule unterhalten musste und Religionsunterricht nur außerhalb des regulären Stundenplans stattfinden sollte. Die katholische Kirche rief dagegen Widerstand ins Leben und baute ein katholisches Schulwesen aus. Nach dem Wahlsieg der Katholiken im Jahr 1884 erhielten die Gemeinden wieder größere Freiheit bei dem Aufbau des Unterrichts und Bekenntnisschulen erneut bessere Möglichkeiten staatlicher Förderung.[58] Das Nebeneinander öffentlicher und freier, überwiegend katholischer Schulen wurde später durch den Schulpakt von 1958 dauerhaft abgesichert.
Leopold II., Sohn des ersten Königs, war von 1885 bis 1908 persönlicher Souverän des Kongo-Freistaats, der staatsrechtlich zunächst nicht zu Belgien gehörte. Nachdem schwere Gewalttaten und Menschenrechtsverletzungen bei der wirtschaftlichen Ausbeutung des Gebietes weltweit bekannt geworden waren, übernahm der belgische Staat den Kongo 1908 als Kolonie. Das Zwangsarbeitssystem, Gewalt, Hunger, Krankheiten, sinkende Geburtenraten und Fluchtbewegungen verursachten einen erheblichen Bevölkerungsrückgang. Dessen genaues Ausmaß ist wegen fehlender verlässlicher Bevölkerungsstatistiken umstritten; die häufig genannte Zahl von zehn Millionen ist keine gesicherte Zahl unmittelbar Getöteter.[59] 1960 wurde der Kongo unabhängig.
Im Ersten Weltkrieg wurde das neutrale Belgien entsprechend dem Schlieffen-Plan vom Deutschen Reich überfallen und größtenteils vom deutschen Heer besetzt. Unbesetzt blieb lediglich ein kleiner Streifen im äußersten Südwesten Westflanderns, der Westhoek, westlich bzw. hinter der Yser-Front.[60]
Dieser unbesetzte Teil erstreckte sich ungefähr von der Nordseeküste bei Nieuwpoort (Nieuport) über Veurne bis zur französischen Grenze. Das belgische Heer hielt dort die Yser-Front gegen die deutschen Truppen.
De Panne wurde dadurch zu einem politischen Mittelpunkt des unbesetzten Belgiens. Die königliche Familie hielt sich dort auf; König Albert I. hatte sein Hauptquartier im nahe gelegenen Veurne. Die belgische Regierung war dagegen nach Sainte-Adresse bei Le Havre in Frankreich ausgewichen.[61][62]
Das deutsche Militär ging während des Vormarsches und der Besetzung mit Erschießungen, Brandstiftungen und Geiselnahmen gegen Zivilisten vor. In Dinant und mehreren anderen belgischen Städten kam es zu Massakern an der Zivilbevölkerung. Am 25. August 1914 setzten deutsche Truppen die Universitätsbibliothek Löwen in Brand; dabei wurden Tausende Bücher und Handschriften vernichtet.[63] Die Übergriffe wurden mit angeblichen Angriffen belgischer Freischärler begründet, für deren Vorhandensein es jedoch keine Belege gab. Im Verlauf des Stellungskrieges wurden vor allem in Westflandern zahlreiche Orte zerstört und Landstriche verwüstet. Ab 1915 errichteten die deutschen Besatzungsbehörden entlang der belgisch-niederländischen Grenze einen etwa 300 Kilometer langen elektrischen Hochspannungszaun, das sogenannte Grenzhochspannungshindernis, um den Grenzverkehr zwischen dem besetzten Belgien und den neutralen Niederlanden zu unterbinden.[64] Ab 1916 verschleppten die deutschen Besatzungsbehörden Zehntausende belgische Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland oder setzten sie in Belgien ein.[65][66]
Nach dem Krieg wurde das mehrheitlich deutschsprachige Gebiet Eupen-Malmedy durch den Friedensvertrag von Versailles 1920 vorläufig unter belgische Verwaltung gestellt. Die Volksbefragung von 1920 war keine geheime Abstimmung: Gegner der Angliederung mussten sich namentlich in öffentliche Listen eintragen. Nach dieser umstrittenen Befragung und der Bestätigung durch den Völkerbund wurde das Gebiet 1925 vollständig in den belgischen Staat eingegliedert.[67] Belgien beteiligte sich außerdem von 1923 bis 1925 an der Ruhrbesetzung.
Seit 1936 verfolgte Belgien erneut eine Politik der militärischen Unabhängigkeit und Neutralität. Obwohl das Deutsche Reich 1937 die Unverletzlichkeit Belgiens zugesichert hatte, griff die Wehrmacht das Land am 10. Mai 1940 ohne vorherige Kriegserklärung an. Im Verlauf des Westfeldzugs wurden Belgien, die Niederlande und Luxemburg besetzt. Bei der als „Bruch von Wijnendale“ bezeichneten Beratung im Schloss Wijnendale am 25. Mai 1940 lehnte König Leopold III. die Aufforderung seiner Minister ab, ihnen nach Frankreich zu folgen und den Kampf fortzusetzen, und entschied, bei der belgischen Armee zu bleiben.[68] König Leopold III. kapitulierte am 28. Mai 1940 nach der Schlacht an der Lys gegen den Willen seiner nach Frankreich ausgewichenen Regierung. Er blieb zunächst unter deutscher Bewachung im Schloss Laeken und wurde 1944 mit seiner Familie nach Deutschland verbracht. Die belgische Exilregierung setzte den Krieg von London aus fort. Leopold III. heiratete während der deutschen Besatzung und seiner Kriegsgefangenschaft im Schloss Laeken am 11. September 1941 Lilian Baels zunächst heimlich kirchlich; die standesamtliche Eheschließung folgte am 6. Dezember 1941, womit die kirchliche Trauung entgegen der belgischen Verfassung der zivilen Eheschließung vorausging.[69] Die Ehe und ihre Umstände, aber auch Leopolds Verhalten während der Besatzung und insbesondere seine Weigerung, Belgien mit der Regierung zu verlassen, gehörten zu den Gründen, die nach dem Krieg zur Question royale beitrugen.[70] Nach der Befreiung Belgiens wurde Leopold III. mit seiner Familie zunächst nach Österreich gebracht; nach seiner Freilassung ließ er sich 1945 in Pregny bei Genf in der Schweiz nieder. Dort blieb er bis 1950, als er nach der Volksbefragung über seine Rückkehr nach Belgien zurückkehrte; 1951 dankte er schließlich zugunsten seines Sohnes Baudouin ab.
Belgien blieb bis zu seiner schrittweisen Befreiung 1944 und Anfang 1945 besetzt. Juden sowie Sinti und Roma wurden verfolgt und verschleppt; zwischen 1942 und 1944 wurden etwa 25.000 Juden aus Belgien überwiegend nach Auschwitz verschleppt.[71] Das Land erlitt Zerstörungen durch die Kampfhandlungen von 1940, alliierte Bombenangriffe, deutsche V-Waffen und insbesondere durch die Ardennenoffensive im Dezember 1944 und Januar 1945, die im Osten des Landes um Sankt Vith und Bastogne schwere Schäden verursachte.
Nach der Befreiung übernahm Karl von Belgien im September 1944 die Regentschaft, da die Rückkehr Leopolds III. umstritten war. Bei einer nicht bindenden Volksbefragung am 12. März 1950 stimmten 57,7 Prozent für die Rückkehr des Königs. Eine deutliche Mehrheit der flämischen Wähler stimmte dafür, während sich in Wallonien eine Mehrheit dagegen aussprach. Nach Leopolds Rückkehr im Juli 1950 kam es zu Ausständen und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Am 30. Juli erschoss die Gendarmerie in Grâce-Berleur bei Lüttich vier Demonstranten. Am 1. August schlug Leopold vor, seine königlichen Befugnisse seinem Sohn Baudouin zu übertragen, der am 11. August 1950 zum Prinzen mit königlichen Befugnissen ernannt wurde und nach Leopolds Abdankung 1951 König wurde.[72]
Die Nachkriegszeit wurde durch eine erneute Auseinandersetzung über die staatliche Bezahlung katholischer Schulen geprägt, den Zweiten Schulstreit. Dieser wurde 1958 durch den zwischen den großen Parteien vereinbarten Schulpakt beigelegt. Der Pakt sicherte sowohl öffentlichen als auch anerkannten freien Schulen staatliche Unterstützung und wurde durch das Gesetz vom 29. Mai 1959 umgesetzt.[73]
Die bereits während des Zweiten Weltkriegs vereinbarte Zusammenarbeit zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg führte zunächst zur 1944 vereinbarten und 1948 in Kraft getretenen Benelux-Zollunion. Der Vertrag über die Benelux-Wirtschaftsunion wurde am 3. Februar 1958 in Den Haag unterzeichnet und trat am 1. November 1960 in Kraft.[74] Belgien zählt zu den Gründerstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und spielte eine wichtige Rolle in der europäischen Einigung. Brüssel wurde zum Sitz des Hauptquartiers der NATO und zu einem der wichtigsten Standorte der Institutionen der heutigen Europäischen Union.
Im Herbst 1960 legte die christlich-liberale Regierung unter Premierminister Gaston Eyskens das Einheitsgesetz mit Steuererhöhungen, Ausgabenkürzungen und sozialpolitischen Reformen vor. Die Maßnahmen sollten die angespannte Haushaltslage nach der Unabhängigkeit des Kongos verbessern. Dagegen begann im Dezember 1960 ein etwa fünf Wochen dauernder Generalstreik, an dem sich bis zu 700.000 Arbeitnehmer beteiligten. Sein Schwerpunkt lag in den wallonischen Industriegebieten, während die Arbeitsniederlegungen in Flandern weniger umfassend waren. Der Ausstand führte zu gewaltsamen Zusammenstößen und forderte vier Todesopfer. Das Einheitsgesetz wurde dennoch im Januar 1961 vom Parlament verabschiedet.[75]
Der Gewerkschafter André Renard verband die sozialen Forderungen des Ausstandes zunehmend mit Forderungen nach wirtschaftlichen Strukturreformen und wallonischer Selbstverwaltung. Obwohl der Ausstand sein unmittelbares Ziel verfehlte, stärkte er das wallonische Regionalbewusstsein. Im Frühjahr 1961 entstand unter Renards Führung das Mouvement populaire wallon, das soziale, strukturpolitische und föderalistische Ziele miteinander verband. Diese Verbindung wurde als Renardismus bezeichnet.[76]
Die Innenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg war zunehmend von der Föderalisierung des belgischen Staates und seiner Einrichtungen geprägt. Die ab 1970 vorgenommenen Staatsreformen sollten insbesondere die Auseinandersetzungen zwischen den Sprachgemeinschaften und Regionen institutionell regeln. Seit der Verfassungsreform von 1993 ist Belgien ausdrücklich ein Föderalstaat.[77] In Flandern erzielen Parteien, welche die Unabhängigkeit oder Selbstverwaltung Flanders anstreben, regelmäßig hohe Stimmenanteile.
Die Krise um Marc Dutroux fiel in die Regierungszeit Jean-Luc Dehaenes. Dutroux wurde am 13. August 1996 verhaftet. Die öffentliche Empörung über seine Verbrechen und die Versäumnisse von Polizei und Justiz äußerte sich unter anderem im Weißen Marsch vom 20. Oktober 1996. Die Dutroux-Affäre und insbesondere seine kurzzeitige Flucht im April 1998 beschleunigten die grundlegende Neugestaltung der belgischen Polizei. Mit dem Gesetz vom 7. Dezember 1998 wurden die zuvor getrennten Polizeidienste zu einer auf föderaler und örtlichen Ebene errichteten Polizei zusammengeführt.[78]
Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Bildungssystem ist in Belgien aufgrund der weitreichenden Befugnisse der einzelnen Gemeinschaften unterschiedlich. Das Hochschulwesen wurde im Zuge des Bologna-Prozesses in allen drei Gemeinschaften auf Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt. Für das Bildungswesen sind grundsätzlich die Flämische, die Französische und die Deutschsprachige Gemeinschaft zuständig. Der Föderalstaat regelt lediglich den Beginn und das Ende der Schulpflicht, die Mindestbedingungen für die Verleihung von Diplomen sowie die Pensionen der Lehrkräfte.[79] Die Schulpflicht beginnt mit dem Schuljahr des Kalenderjahres, in dem ein Kind fünf Jahre alt wird, und endet grundsätzlich mit dem 18. Lebensjahr.[80]
Schulträger und Schulnetze
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kennzeichnend für das belgische Bildungswesen ist die Unterscheidung zwischen öffentlichem, freiem subventioniertem Unterricht und nicht subventioniertem Privatunterricht. Hausunterricht ist möglich. Träger einer Schule ist die inrichtende macht beziehungsweise das schoolbestuur im niederländischsprachigen System, der pouvoir organisateur (PO) im französischsprachigen System und der Schulträger im deutschsprachigen System. Der Träger ist unter anderem für die pädagogische Ausrichtung, die Verwaltung und die Beschäftigung des Personals verantwortlich.[81]
Im niederländischsprachigen Bildungswesen werden drei Schulnetze unterschieden:
- das von der öffentlichen Einrichtung GO! onderwijs van de Vlaamse Gemeenschap organisierte Gemeinschaftsunterrichtswesen;
- das von Gemeinden, Städten oder Provinzen organisierte offizielle subventionierte Unterrichtswesen;
- das freie subventionierte Unterrichtswesen in privatrechtlicher Trägerschaft.
Im französischsprachigen Bildungswesen bestehen entsprechend:
- das von Wallonie-Bruxelles Enseignement (WBE) organisierte öffentliche Unterrichtswesen;
- das von Gemeinden, Städten, Provinzen oder der Französischen Gemeinschaftskommission in Brüssel organisierte offizielle subventionierte Unterrichtswesen;
- das freie subventionierte Unterrichtswesen, das in einen konfessionellen und einen nicht konfessionellen Bereich gegliedert ist.
In der Deutschsprachigen Gemeinschaft bestehen das Gemeinschaftsunterrichtswesen (GUW), das offizielle subventionierte Unterrichtswesen (OSUW) und das freie subventionierte Unterrichtswesen (FSUW).[82]
Die freien subventionierten Schulen werden von privatrechtlichen Organisationen getragen, aber von der jeweils zuständigen Gemeinschaft finanziert oder erhalten eine Beihilfe. Die Mehrheit dieser Schulen ist katholisch. Daneben bestehen jüdische, protestantische und nicht konfessionelle freie Schulen. Zum nicht konfessionellen freien Unterricht gehören auch Schulen mit alternativen oder reformpädagogischen Ansätzen, etwa Steiner- beziehungsweise Waldorfschulen und andere Methoden- oder Aktivschulen. Schulen mit alternativen pädagogischen Konzepten können allerdings auch einem offiziellen Schulnetz angehören.[83]
Von den freien subventionierten Schulen sind nicht oder lediglich anderweitig anerkannte Privatschulen zu unterscheiden. Zu ihnen gehören zahlreiche internationale und ausländische Schulen. Daneben bestehen in Belgien die von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gemeinsam getragenen Europäischen Schulen. Einige internationale Schulen vergeben ausländische, internationale oder europäische Abschlüsse, während nicht anerkannte Privatschulen keine belgischen Abschlusszeugnisse ausstellen dürfen.[84]
Die gleichzeitige Bestehen öffentlicher und vor allem katholischer freier Schulen geht auf die in Belgien verfassungsrechtlich gewährleistete Unterrichtsfreiheit zurück. Die Finanzierung und weltanschauliche Ausrichtung der Schulen führten im 19. und 20. Jahrhundert zu zwei großen politischen Auseinandersetzungen, den sogenannten Schulkonflikten beziehungsweise guerres scolaires oder schoolstrijden. Der erste Schulkonflikt dauerte von 1879 bis 1884; der zweite erreichte in den 1950er Jahren seinen Höhepunkt. Der 1958 zwischen Christdemokraten, Sozialisten und Liberalen geschlossene und 1959 gesetzlich umgesetzte Schulpakt sicherte sowohl die öffentliche Finanzierung anerkannter freier Schulen als auch die Wahlfreiheit der Eltern und prägt die Gliederung des belgischen Schulwesens bis heute.[85]
Schulen der Flämischen Gemeinschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ab einem Alter von zweieinhalb Jahren können Kinder in Flandern und im niederländischsprachigen Unterrichtswesen Brüssels den Kindergarten beziehungsweise die Vorschule (niederländisch kleuteronderwijs) besuchen. Für fünfjährige Kinder gilt bereits die Schulpflicht. Ab einem Alter von normalerweise sechs Jahren besuchen die Kinder sechs Jahre lang die Primarschule (lager onderwijs). Kindergarten und Primarschule bilden gemeinsam den grundlegenden Unterricht (basisonderwijs).[86] Im niederländischsprachigen Schulwesen ist Französisch im fünften und sechsten Grundschuljahr sowie in der ersten Stufe des Sekundarunterrichts vorgeschrieben; in den späteren Stufen hängt der Fremdsprachenunterricht von der jeweiligen Unterrichtswahl ab.[87][88] In der Flämischen Gemeinschaft ist Immersionsunterricht, auf höchstens 20 Prozent der Unterrichtszeit begrenzte fremdsprachiger Sachunterricht seit dem Schuljahr 2014/15 im Sekundarschulwesen zugelassen.
Ab dem siebten Schuljahr erfolgt der Unterricht an einer Sekundarschule. Der gewöhnliche Vollzeitsekundarunterricht (niederländisch voltijds gewoon secundair onderwijs) ist in drei Stufen gegliedert:
a) erste Stufe (eerste graad, erstes und zweites Sekundarschuljahr): Orientierung in einem A- oder B-Zweig; b) zweite Stufe (tweede graad, drittes und viertes Sekundarschuljahr); c) dritte Stufe (derde graad, fünftes und sechstes sowie gegebenenfalls siebtes Sekundarschuljahr).
Ab der zweiten Stufe wählen die Schüler eine Studienrichtung. Die Studienrichtungen werden nach acht Studienbereichen und drei Zielrichtungen (finaliteiten) geordnet:
- Durchstiegsziel (doorstroomfinaliteit): Vorbereitung auf ein Hochschulstudium;
- doppeltes Ziel (dubbele finaliteit): Vorbereitung sowohl auf ein Hochschulstudium als auch auf den Arbeitsmarkt;
- Arbeitsmarktziel (arbeidsmarktfinaliteit): vorwiegend berufspraktische Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt.
Daneben werden weiterhin vier Unterrichtsformen unterschieden:
- ASO (algemeen secundair onderwijs, allgemeinbildender Sekundarunterricht);
- KSO (kunstsecundair onderwijs, künstlerischer Sekundarunterricht);
- TSO (technisch secundair onderwijs, technischer Sekundarunterricht);
- BSO (beroepssecundair onderwijs, beruflicher Sekundarunterricht).
Die Unterrichtsformen sind mit den Zielrichtungen verbunden: ASO gehört zum Durchstiegsziel, BSO zum Arbeitsmarktziel; TSO und KSO können dem Durchstiegsziel oder dem doppelten Ziel angehören.[89]
Die 1.–2. Sekundarstufe entsprechen der 1. graad und führen zum Getuigschrift van de eerste graad. Das Getuigschrift van de tweede graad van het secundair onderwijs, das früher als Getuigschrift van lager secundair onderwijs bezeichnet wurde, wird in Flandern normalerweise am Ende des 4. Sekundarschuljahres nach dem zweiten Jahr der 2. graad erworben; die Schülerinnen und Schüler sind dabei in der Regel 15 bis 16 Jahre alt.
Nach dem erfolgreichen sechsten Sekundarschuljahr erhalten Absolventen des Durchstiegsziels und des doppelten Ziels ein diploma secundair onderwijs der Bildungsqualifikationsstufe 4 (OK4), das den unmittelbaren Zugang zu Bachelorstudiengängen ermöglicht. Absolventen des Arbeitsmarktziels erhalten seit dem Schuljahr 2024/25 nach dem sechsten Jahr ein Diplom der Stufe OK3. Dieses berechtigt unmittelbar zu Graduiertenstudiengängen, jedoch nicht zu einem Bachelorstudium. Durch ein zusätzliches siebtes, auf den Hochschulzugang ausgerichtetes Schuljahr kann die entsprechende Hochschulzugangsberechtigung erworben werden. Andere siebte Schuljahre dienen der weiteren beruflichen Spezialisierung.
Beruflich ausgerichtete Studienrichtungen können auch als dualer Unterricht (duaal leren) organisiert werden, bei dem Unterricht in der Schule und Ausbildung in einem Betrieb miteinander verbunden werden. Seit dem Schuljahr 2025/26 ersetzt das duale Lernen weitgehend das frühere System des Teilzeitlernens und Teilzeitarbeitens.[90]
Die frühere vierte Stufe des Sekundarunterrichts im Bereich Krankenpflege wurde durch die dreijährige Graduiertenausbildung Basisverpleegkunde ersetzt. Sie wird von Sekundarschulen in Zusammenarbeit mit einer Hochschule angeboten und ist der Stufe 5 des flämischen Qualifikationsrahmens zugeordnet.[91]
Neben den Regelschulen besteht das buitengewoon onderwijs, das Schülern mit besonderem Förderbedarf in eigenen Schulen unterrichtet. Es gibt verschiedene Formen des buitengewoon onderwijs, die sich nach Art des Unterstützungsbedarfs und dem angestrebten Bildungsweg unterscheiden. Daneben verfolgt Flandern mit dem inklusive onderwijs auch das Ziel, Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen stärker in den regulären Unterricht einzubeziehen.
Zum flämischen Erwachsenenunterricht (volwassenenonderwijs) gehören die Zentren für Grundbildung (Ligo-centra voor basiseducatie, Ligo-CBE) und die Zentren für Erwachsenenunterricht (centra voor volwassenenonderwijs, CVO). Die Ligo-Zentren vermitteln insbesondere Grundkompetenzen und Sprachkenntnisse. Die CVO bieten modular aufgebauten Sekundarunterricht für Erwachsene, berufliche Qualifikationen, Sprachunterricht und Möglichkeiten zum nachträglichen Erwerb eines Sekundarschulabschlusses an.[92]
Schulen der Französischen Gemeinschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kinder in der Französischen Gemeinschaft Belgiens können ab einem Alter von zweieinhalb Jahren die Vorschule (école maternelle) besuchen. Seit September 2020 beginnt die Schulpflicht mit fünf Jahren, sodass das dritte Vorschuljahr verpflichtend ist.[93]
Vom normalerweise sechsten bis zum zwölften Lebensjahr besuchen die Kinder die sechsjährige Primarstufe (enseignement primaire). Die école primaire bildet zusammen mit der école maternelle den grundlegenden Unterricht (enseignement fondamental). Die Klassenstufen werden von der première primaire bis zur sixième primaire durchgezählt. Im Zuge des gemeinsamen Kerncurriculums (tronc commun) beginnt der Unterricht in der ersten modernen Fremdsprache grundsätzlich ab dem dritten Primarschuljahr. Welche Sprache unterrichtet wird, hängt auch von den sprachgesetzlichen Vorschriften und vom Standort der Schule ab. Im französischsprachigen Schulwesen ist Niederländisch in der Region Brüssel-Hauptstadt und in bestimmten Gemeinden an der Sprachgrenze verpflichtend; in weiten Teilen der Wallonie kann dagegen zwischen Niederländisch, Englisch und Deutsch gewählt werden.[94] Die Regierung der Französischen Gemeinschaft kündigte an, den Unterricht in Niederländisch beziehungsweise Deutsch ab dem Schuljahr 2027/28 schrittweise vom dritten Primarschuljahr an auszuweiten; die Umsetzung war im September 2026 noch Gegenstand parlamentarischer Beratungen.[95] Einen Gegenansatz zu dieser Entwicklung bildet der seit 1998 zugelassene Immersion, bei dem Teil der Sachfächer unter anderem auf Niederländisch erteilt werden.[96] Im Schuljahr 2019/20 besuchten 18.344 Schüler des französischsprachigen Sekundarschulwesens einen Immersionszweig, davon 3.789 in der Region Brüssel-Hauptstadt und 14.555 in Wallonien; dies entsprach rund 5,0 Prozent aller Schüler des ordentlichen französischsprachigen Sekundarschulwesens.[97]
Die Primarschule wird in der Regel mit dem Certificat d’études de base (CEB) abgeschlossen.
Die Sekundarstufe (enseignement secondaire) umfasst normalerweise sechs Jahre und ist in drei Stufen (degrés) gegliedert. Die erste Stufe umfasst grundsätzlich das erste und zweite Sekundarschuljahr. Neben dem gemeinsamen ersten Bildungsweg besteht ein anderer Bildungsweg für Schüler, die den CEB noch nicht erworben haben. Die erste Stufe wird in der Regel mit dem Certificat d’études du premier degré de l’enseignement secondaire (CE1D) abgeschlossen.
Die zweite Stufe umfasst das dritte und vierte Sekundarschuljahr. Ab diesem Zeitpunkt wird zwischen Übergangsunterricht (enseignement de transition) und Qualifikationsunterricht (enseignement de qualification) unterschieden. Es bestehen vier Unterrichtsformen:
- allgemeinbildender Unterricht (enseignement général);
- technischer Unterricht (enseignement technique);
- künstlerischer Unterricht (enseignement artistique);
- beruflicher Unterricht (enseignement professionnel).
Der allgemeinbildende Unterricht gehört zum Übergangsunterricht. Technischer und künstlerischer Unterricht können als Übergangs- oder Qualifikationsunterricht organisiert werden. Der berufliche Unterricht gehört zum Qualifikationsunterricht. Am Ende des vierten Sekundarschuljahres kann das Certificat d’enseignement secondaire du deuxième degré (CE2D) erworben werden. Es bescheinigt den erfolgreichen Abschluss der zweiten Sekundarstufe, ist aber nicht ohne Weiteres einem bestimmten deutschen Schulabschluss gleichzusetzen. Der heutige CE2D hieß früher CESI – Certificat d’enseignement secondaire inférieur. Der CESI wurde allerdings 1994 abgeschafft; danach setzte sich die Bezeichnung CE2D für den Abschluss des zweiten Sekundarschulgrades durch.
Die dritte Stufe umfasst grundsätzlich das fünfte und sechste Sekundarschuljahr. Der Übergangsunterricht bereitet vor allem auf ein Hochschulstudium vor. Der Qualifikationsunterricht verbindet Allgemeinbildung mit einer beruflichen Ausbildung. Im allgemeinbildenden, technischen und künstlerischen Unterricht kann nach dem sechsten Jahr das Certificat d’enseignement secondaire supérieur (CESS) erworben werden. Es ermöglicht grundsätzlich den Zugang zum Hochschulwesen, wobei für einzelne Studiengänge zusätzliche Aufnahmeprüfungen oder Zulassungsbedingungen gelten.
Im Qualifikationsunterricht kann zusätzlich ein certificat de qualification (CQ) erworben werden, das eine berufliche Befähigung bescheinigt. Nach dem sechsten Jahr des beruflichen Unterrichts wird das Certificat d’études de sixième année de l’enseignement secondaire professionnel (CE6P) verliehen. Das CESS kann im beruflichen Unterricht in der Regel nach einem entsprechenden siebten Schuljahr erworben werden.[98]
Daneben besteht eine duale Ausbildung (enseignement en alternance), die schulischen Unterricht und betriebliche Ausbildung verbindet. Sie wird insbesondere in den Centres d’Éducation et de Formation en Alternance (CEFA) angeboten.[99]
Neben dem regulären Schulwesen gibt es den enseignement spécialisé, der auf die besonderen pädagogischen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen, Entwicklungs- oder Lernproblemen ausgerichtet ist. Der Unterricht ist nach verschiedenen Förder- und Bedarfsschwerpunkten gegliedert und kann sowohl auf die schulische Bildung als auch auf die spätere berufliche und soziale Integration ausgerichtet sein. Je nach Unterstützungsbedarf bestehen unterschiedliche Formen und Stufen des enseignement spécialisé.
Der Erwachsenenunterricht heißt enseignement de promotion sociale und umfasst Bildungsangebote auf Sekundar- und Hochschulebene. Erwachsene können dort berufliche und allgemeine Befähigungen sowie anerkannte Abschlüsse vom CEB bis zum Mastergrad erwerben.[100]
Schulen der Deutschsprachigen Gemeinschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Deutschsprachigen Gemeinschaft können Kinder ab zweieinhalb Jahren zu festgelegten Eintrittsterminen den Kindergarten besuchen. Die Schulpflicht beginnt mit dem Schuljahr des Kalenderjahres, in dem das Kind fünf Jahre alt wird. Auf den Kindergarten folgt normalerweise eine sechsjährige Primarschule und anschließend eine sechsjährige Sekundarschule; im berufsbildenden Unterricht kann ein siebtes Jahr hinzukommen.[101] Nach erfolgreichem Abschluss der Primarschule erhalten die Schüler das Abschlusszeugnis der Grundschule.
Das erste und zweite Sekundarschuljahr bilden eine Orientierungsstufe. Anschließend können die Schüler zwischen allgemeinbildendem, technischem und berufsbildendem Unterricht wählen. Deutsch ist grundsätzlich Unterrichtssprache. Französisch nimmt als erste Fremdsprache bereits in der Primarschule eine besondere Stellung ein. In der Sekundarschule kommt Englisch als weitere Fremdsprache hinzu; teilweise werden auch Niederländisch sowie bilingualer Sachunterricht angeboten. Das jeweilige Sprachen- und Studienangebot unterscheidet sich je nach Schule und Unterrichtsform.[102]
Die Schulpflicht besteht bis zum 18. Lebensjahr. Sie kann nach dem Ende der Vollzeitschulpflicht auch durch Teilzeitunterricht oder eine duale mittelständische Ausbildung erfüllt werden. Die duale Ausbildung verbindet die praktische Ausbildung in einem Betrieb mit theoretischem Unterricht in einem Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes (ZAWM).
Hochschulen
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Das Hochschulwesen untersteht ebenfalls den drei Gemeinschaften. Niederländischsprachige universitäre Einrichtungen sind:
- die Katholieke Universiteit Leuven (KU Leuven);
- die Universität Gent (UGent);
- die Universität Antwerpen (UAntwerpen);
- die Vrije Universiteit Brussel (VUB);
- die Universität Hasselt (UHasselt);
- die transnationale Universität Limburg (tUL), eine grenzüberschreitende Kooperation der Universität Hasselt und der Universität Maastricht.
Die frühere Katholische Universität Brüssel (KUB) ist keine selbständige Universität mehr; ihre Einrichtungen wurden in die KU Leuven eingegliedert.
Französischsprachige Universitäten sind:
- die Université catholique de Louvain (UCLouvain), einschließlich des Standorts UCLouvain Saint-Louis – Bruxelles;
- die Université libre de Bruxelles (ULB);
- die Université de Liège (ULiège);
- die Université de Mons (UMons);
- die Université de Namur (UNamur).
Die frühere Facultés universitaires Saint-Louis wurde 2023 mit der UCLouvain vereinigt. Die frühere Facultés universitaires Notre-Dame de la Paix trägt seit 2012 den Namen Université de Namur. Die frühere Faculté polytechnique de Mons ist seit 2009 Teil der Université de Mons.[103]
Im deutschen Sprachgebiet besteht mit der Autonome Hochschule Ostbelgien (AHS) eine eigene Hochschule. Sie bietet Bachelorstudiengänge für das Lehramt im Kindergarten und in der Primarschule, in Gesundheits- und Krankenpflegewissenschaften sowie in Sozialer Arbeit an. In Zusammenarbeit mit dem ZAWM Eupen werden außerdem duale Bachelorstudiengänge im Bereich Finanz- und Verwaltungswissenschaften organisiert.[104]
Neben den Universitäten bestehen in der Flämischen und der Französischen Gemeinschaft zahlreiche Hochschulen (hogescholen beziehungsweise hautes écoles) sowie Kunsthochschulen (academies voor schone kunsten beziehungsweise écoles supérieures des arts). Die Hochschulen bieten vor allem berufsorientierte Bachelor- und Graduiertenstudiengänge, teilweise aber auch Masterstudiengänge an.
Weitere staatlich anerkannte Hochschuleinrichtungen sind unter anderem die Evangelische Theologische Fakultät Löwen (Evangelische Theologische Faculteit), die Fakultät für Protestantische Theologie und Religionswissenschaften in Brüssel (Faculteit voor Protestantse Theologie en Religiestudies) sowie die föderal organisierte Königliche Militärakademie (niederländisch Koninklijke Militaire School, französisch École royale militaire). Sie sind jedoch nicht ohne Weiteres als eigenständige Universitäten den Universitäten der Gemeinschaften gleichzustellen.[105]
In Brügge befindet sich ein Campus des auf europäische Studien spezialisierten Europakollegs. Ein weiterer Campus besteht im polnischen Natolin bei Warschau.
Bei den Bildungsabschlüssen liegen Frauen deutlich vor den Männern. Im Jahr 2025 verfügten 60,3 Prozent der 25- bis 34-jährigen Frauen, aber nur 45,2 Prozent der gleichaltrigen Männer über einen Hochschulabschluss. Der Geschlechterabstand betrug damit 15,1 Prozentpunkte, gegenüber 11,3 Prozentpunkten im Durchschnitt der Europäischen Union. Zugleich lag der Gesamtanteil der Hochschulabsolventen dieser Altersgruppe in Belgien mit 52,7 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von 44,8 Prozent.[106][107]
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Staatsform und Institutionen
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Belgien ist de jure, d. h. rein verfassungsrechtlich eine konstitutionelle Monarchie, hat sich jedoch de facto zu einer parlamentarischen Monarchie entwickelt. Seit der Verfassungsänderung von 1993 ist Belgien bundesstaatlich verfasst.[108][109] Die föderale gesetzgebende Gewalt wird gemeinsam vom König, der Abgeordnetenkammer mit 150 Mitgliedern und – in den verfassungsrechtlich bestimmten Angelegenheiten – dem Senat mit 60 Mitgliedern ausgeübt. Seit der Staatsreform von 2014 liegen die meisten Gesetzgebungsverfahren jedoch allein bei der Abgeordnetenkammer; der Senat besitzt nur noch begrenzte Gesetzgebungsbefugnisse.[110][111]
Das allgemeine aktive Frauenwahlrecht für Parlamentswahlen wurde 1948 zu denselben Bedingungen wie das Wahlrecht für Männer eingeführt; erstmals angewandt wurde es bei der Parlamentswahl 1949. Gewählt werden konnten Frauen seit 1921.[112][113]
Die föderale ausführende Gewalt liegt verfassungsrechtlich beim König, dessen Akte der Gegenzeichnung eines Ministers bedürfen; ausgeübt wird sie von der Föderalregierung. Der Ministerrat umfasst höchstens 15 Mitglieder und wird vom Premierminister geleitet.[114]
Die föderale Ebene ist unter anderem für das Justizwesen, die öffentlichen Finanzen, wesentliche Teile der inneren Sicherheit und des Gesundheitswesens, die Außenpolitik, die Landesverteidigung und die soziale Sicherheit verantwortlich. Gemeinschaften und Regionen verfügen jedoch in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen ebenfalls über außenpolitische Befugnisse.[109]
Hoheitssymbole
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Königreich Belgien verfügt über eine Flagge sowie ein großes, mittleres und kleines Wappen.
-
Mittleres Wappen
-
Kleines Wappen
Politische Parteien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die drei überkommenen landesweiten Parteienfamilien Belgiens – die Christdemokraten 1968, die Liberalen 1972 und die Sozialisten 1978 – spalteten sich jeweils in eine flämische und eine französischsprachige Partei auf.[115] Andere Parteien entstanden dagegen getrennt nach Sprachgebieten oder blieben landesweit verfasst. Die grünen Parteien Ecolo und Agalev, das heutige Groen, entstanden um 1980 unabhängig voneinander und gingen nicht aus der Spaltung einer gemeinsamen gesamtbelgischen Partei hervor.[116] Die PTB/PVDA ist dagegen eine landesweit verfasste, einheitliche Partei und damit eine wichtige Ausnahme von der sprachlichen Teilung des belgischen Parteiensystems.[117] Die N-VA und der Vlaams Belang – beide aus der früheren Volksunie hervorgegangen – sind beide flämisch-nationalistische Parteien und haben keine französischsprachigen Pendants.
Weltanschaulich verwandte Parteien der verschiedenen Sprachgemeinschaften arbeiten teilweise eng zusammen; in Einzelfällen bilden sie auch gemeinsame Fraktionen, etwa Ecolo und Groen in der Abgeordnetenkammer.[118] Im deutschen Sprachgebiet bestehen deutschsprachige Parteien und eigenständige Regionalparteien, deren Tätigkeit sich überwiegend auf die Deutschsprachige Gemeinschaft beschränkt. Ihre Vertreter üben jedoch teilweise auch wallonische, föderale oder europäische Mandate aus.[119][120]
Eine Besonderheit der belgischen Abgeordnetenkammer besteht darin, dass ihre gewählten Mitglieder – nicht die Parteien – für die in der Verfassung bestimmten Fälle einer niederländischen oder einer französischen Sprachgruppe zugeordnet werden. Grundlage hierfür sind Artikel 43 der belgischen Verfassung und Artikel 10 der Geschäftsordnung der Abgeordnetenkammer.[121][122] Eine eigene deutsche Sprachgruppe besteht in der Abgeordnetenkammer nicht.
| Partei | Sitze | Ausrichtung | |
|---|---|---|---|
| Niederländische Sprachgruppe[124] | |||
| Nieuw-Vlaamse Alliantie (N-VA) | 23 | flämisch-nationalistisch, konservativ, autonomistisch | |
| Vlaams Belang (VB) | 20 | rechtsextrem, separatistisch | |
| Vooruit | 13 | sozialdemokratisch | |
| Christen-Democratisch en Vlaams (CD&V) | 11 | christdemokratisch | |
| Anders | 8 | liberal | |
| Groen | 7 | grün-alternativ | |
| Unabhängige | 1 | ||
| Französische Sprachgruppe[124] | |||
| Mouvement Réformateur (MR) | 19 | liberal | |
| Parti Socialiste (PS) | 16 | sozialdemokratisch | |
| Les Engagés (LE) | 14 | zentristisch | |
| Écologistes confédérés pour l’organisation de luttes originales (Ecolo) | 2 | grün-alternativ | |
| Démocrate Fédéraliste Indépendant A1 (DéFI) | 1 | Frankophonismus, liberal | |
| Gesamtbelgische Parteien | |||
| Partij van de Arbeid/Parti du Travail de Belgique A2 (PVDA/PTB) | 15 | kommunistisch | |
Politische Indizes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Name des Index | Indexwert | Weltweiter Rang | Interpretationshilfe | Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Fragile States Index | 30,3 von 120 | 159 von 179 | Stabilität des Landes: sehr stabil 0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend Rang: 1 = fragilstes Land / 179 = stabilstes Land |
2024[125] |
| Demokratieindex | 7,64 von 10 | 34 von 167 | Unvollständige Demokratie 0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie |
2024[126] |
| Freedom in the World Index | 96 von 100 | — | Freiheitsstatus: frei 0 = unfrei / 100 = frei |
2024[127] |
| Rangliste der Pressefreiheit | 81,2 von 100 | 16 von 180 | Zufriedenstellende Lage für die Pressefreiheit 100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage |
2026[128] |
| Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) | 69 von 100 | 21 von 181 | 0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber | 2025[129] |
Flämisch-wallonische Konflikte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Belgien ist von politischen und gesellschaftlichen Spannungen – vor allem zwischen der niederländischsprachigen und der französischsprachigen Bevölkerung – geprägt. Daneben besteht eine wesentlich kleinere Deutschsprachige Gemeinschaft.[130] Das Nebeneinander der Sprachgruppen bildet eine wichtige politische Spannungslinie. Die Ursachen hierfür sind kulturgeschichtlich, politisch und wirtschaftlich bedingt. Der Belgien-Kenner Christoph Driessen beschreibt Belgien als ein Land, „in dem viele Menschen Niederländisch oder Französisch sprechen, ohne niederländisch oder französisch sein zu wollen“.[131]
Der flämisch-wallonische Konflikt hatte sprachliche, kulturelle, politische und gesellschaftliche Ursachen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert herrschten französischsprachige Eliten Staat und Verwaltung vor, während die Wallonie früher industrialisiert und mit ihrer Montanindustrie wirtschaftlich stärker war; große Teile Flanderns blieben dagegen ärmer. Die Auseinandersetzung dauert bis heute an, obwohl sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse seit dem Niedergang der für die Wallonie prägenden Montanindustrie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dem Aufschwung neuer Wirtschaftszweige in Flandern grundlegend gewandelt haben.[132]
Die Erhebung der gesprochenen Sprache im Rahmen der Volkszählung wurde 1961 gesetzlich abgeschafft. Zuvor konnten die Ergebnisse der Sprachzählungen Auswirkungen auf den sprachrechtlichen Status von Gemeinden haben. 1962 und 1963 wurde die Sprachgrenze gesetzlich festgelegt.[133] Um insbesondere die Lage in sprachlich gemischten Gegenden zu regeln, wurden zum Teil Fazilitätengemeinden mit besonderen sprachlichen Rechten im Verwaltungsverkehr und teilweise im Schulbereich geschaffen.[134]
Von den 18- bis 30-jährigen Brüsselern, die französischsprachige Schulen in Brüssel oder der Wallonie besucht hatten, beherrschten weniger als 10 Prozent Niederländisch gut bis ausgezeichnet; bei Abgängern des niederländischsprachigen Brüsseler Schulwesens verfügten dagegen 83 Prozent über entsprechende Französischkenntnisse, während der Anteil bei den in Flandern ausgebildeten Befragten von früher mehr als 90 auf knapp 60 Prozent zurückging.[135] Auch in der Wallonie verliert Niederländisch gegenüber Englisch an Bedeutung: Im Schuljahr 2024/25 sank die Zahl der Niederländisch lernenden Schüler dort gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent und seit 2019/20 um 20,7 Prozent, während mehr als 70 Prozent Englisch wählten.[136]
Als bedeutende Zuspitzungen des flämisch-wallonischen Konflikts gelten:
- Königsfrage (1950): Bei der Volksbefragung über die Rückkehr König Leopolds III. stimmten 72 Prozent der Flamen dafür, während 58 Prozent der Wallonen dagegen stimmten. Nach Streiks, Unruhen und dem Tod dreier Demonstranten bei Grâce-Berleur verzichtete Leopold zugunsten seines Sohnes Baudouin auf den Thron.[137]
- Winterstreik 1960/61: Der landesweite Generalstreik gegen das Einheitsgesetz beschränkte sich zunehmend auf die Wallonie. Unter dem Gewerkschaftsführer André Renard verband sich der soziale Protest mit wallonischen Forderungen nach Wirtschaftsreformen und einer föderalen Neuordnung Belgiens.[138]
- Sprachgrenze (1961–1963): Bei den flämischen Märschen auf Brüssel forderten Tausende Demonstranten eine feste Sprachgrenze und eine Begrenzung des zweisprachigen Brüsseler Gebiets. 1962 wurde die Sprachgrenze gesetzlich festgelegt und 1963 die zweisprachige Region Brüssel auf 19 Gemeinden begrenzt. Besonders die Zuordnung der Voerstreek zu Limburg blieb umstritten.[139]
- Löwener Universitätskrise (1966–1968): Unter den Losungen Leuven Vlaams („Löwen flämisch“) und, in radikalisierter Form, Walen buiten („Wallonen raus“) verlangten flämische Studenten die Verlegung der französischsprachigen Universitätsabteilung aus Löwen. Die Massenproteste und Zusammenstöße mit der Gendarmerie trugen im Februar 1968 zum Sturz der Regierung Vanden Boeynants bei. Die Universität wurde anschließend in die niederländischsprachige KU Leuven und die französischsprachige UCLouvain geteilt; für Letztere entstand Louvain-la-Neuve.[140]
- Voeren-Krise (1980er-Jahre): Der Streit um den französischsprachigen Bürgermeister José Happart in der flämischen Fazilitätengemeinde Voeren wurde zum Symbol des Sprachenkonflikts. Da Happart die vorgeschriebenen Niederländischkenntnisse nicht nachweisen wollte, wurde seine Ernennung gerichtlich aufgehoben; der Konflikt führte 1987 zum Sturz der Regierung Martens VI.[141]
- Konflikt um Brüssel-Halle-Vilvoorde (2007–2012): Der Streit um den sprachlich besonders geregelten Wahlkreis und Gerichtsbezirk Brüssel-Halle-Vilvoorde brachte wiederholt die Regierungsarbeit zum Stillstand und trug 2010 zum Zerfall der Regierung Leterme II bei. Nach den anschließenden, 541 Tage dauernden Koalitionsverhandlungen wurde der Wahlkreis 2012 im Rahmen der sechsten Staatsreform geteilt.[142][143][144] Der Wahlkreis BHV umfasste sowohl die zweisprachige Region Brüssel-Hauptstadt als auch das zum niederländischen Sprachgebiet und zur Provinz Flämisch-Brabant gehörende Halle-Vilvoorde. Dadurch konnten die Wähler in Halle-Vilvoorde auch für französischsprachige, überwiegend in Brüssel antretende Listen stimmen. Nachdem 2002 im übrigen Belgien Provinzwahlkreise eingeführt worden waren, bildete BHV gemeinsam mit dem Wahlkreis Löwen eine Ausnahme.[145] Für die Wähler der sechs Fazilitätengemeinden um Brüssel blieb eine besondere Wahlmöglichkeit zwischen Listen beider Wahlkreise bestehen.[146] Halle-Vilvoorde erhielt eine eigene niederländischsprachige Staatsanwaltschaft und Gerichte, während die Brüsseler Gerichte in französisch- und niederländischsprachige Gerichte aufgeteilt wurden.[147]
Die sprachliche Teilung prägt nicht nur den Staatsaufbau, sondern auch das Bildungswesen sowie die politischen und medialen Öffentlichkeiten, die weitgehend nach Sprachgemeinschaften getrennt sind. Im kulturellen Bereich bestehen enge Beziehungen Flanderns zu den Niederlanden und des französischsprachigen Landesteils zu Frankreich. Auf föderaler politischer Ebene wird zugleich die Mehrsprachigkeit Belgiens betont; Kenntnisse der jeweils anderen großen Landessprache gelten für Spitzenpolitiker als politisch wichtig. Wichtige Ansprachen des Königs werden in den drei Amtssprachen veröffentlicht.[148] Eine allgemeine gesetzliche Verpflichtung politischer Mandatsträger, beide großen Landessprachen zu beherrschen, besteht allerdings nicht. Auch die Zugehörigkeit eines Kandidaten zur französischen oder niederländischen Sprachgruppe des Parlaments der Region Brüssel-Hauptstadt setzt keinen Nachweis entsprechender Sprachkenntnisse voraus.[149] Besondere Sprachanforderungen bestehen hingegen für bestimmte gemeindliche Mandatsträger in den Rand- und Sprachgrenzgemeinden.[150] Die Beherrschung beider großen Landessprachen für politische Spitzenämter wird öffentlich jedoch vielfach als politische Erwartung betrachtet; fehlende Sprachkenntnisse führen insbesondere auf föderaler Ebene und in der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt wiederholt zu medialer und politischer Kritik.[151][152]
In der Forschung wird darauf hingewiesen, dass sich die Bedeutung des Sprachenkonflikts zwischen den Generationen verändert hat und jüngere Belgier teilweise weniger ausgeprägte gemeinschaftsbezogene Zugehörigkeitsgefühle zeigen. Zugleich bestehen die sprachliche Trennung des Partei-, Bildungs- und Mediensystems sowie erhebliche Unterschiede in der Kenntnis der jeweils anderen Landessprache fort.[153]
Jüngere politische Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die sprachliche Teilung und zunehmende Zersplitterung des belgischen Parteiensystems erschweren regelmäßig die Bildung mehrheitsfähiger Föderalregierungen. Nach der Parlamentswahl 2014 bildeten die N-VA, die flämischen Christdemokraten der CD&V sowie die Liberalen von MR und Open Vld die Mitte-rechts-Regierung Michel I unter Charles Michel. Damit war die N-VA erstmals an einer belgischen Föderalregierung beteiligt; auf frankophoner Seite gehörte ihr nur der MR an.[154] Die Koalition zerbrach im Dezember 2018 am Streit über den Globalen Migrationspakt der Vereinten Nationen. Die anschließend gebildete Minderheitsregierung Michel II führte nur noch die laufenden Geschäfte.
Auch nach der Parlamentswahl 2019 kam zunächst keine parlamentarische Mehrheit zustande. Im Oktober 2019 übernahm Sophie Wilmès als erste Frau das Amt der Premierministerin. Ihre zunächst geschäftsführende Minderheitsregierung erhielt im März 2020 angesichts der COVID-19-Pandemie zeitlich begrenzte parlamentarische Unterstützung. Am 1. Oktober 2020 endete die 494 Tage dauernde Regierungsbildung mit der Vereidigung der Regierung De Croo unter Alexander De Croo. Die Vivaldi-Koalition umfasste sieben Parteien aus den sozialistischen, liberalen, christdemokratischen und grünen Parteienfamilien.[155][156]
Nach der Parlamentswahl 2024 einigten sich N-VA, MR, CD&V, Les Engagés und die flämischen Sozialdemokraten von Vooruit auf die sogenannte Arizona-Koalition. Die Regierung De Wever wurde am 3. Februar 2025 vereidigt. Mit Bart De Wever übernahm erstmals ein Politiker der N-VA das Amt des belgischen Premierministers. Die Regierungsbildung hatte 239 Tage gedauert.[157][158] Die Regierung leitete einen wirtschafts- und sozialpolitischen Kurswechsel ein. Im Mittelpunkt stehen die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen sowie Reformen des Arbeitsmarkts, der Renten und der sozialen Sicherung. Zu den weitreichendsten Maßnahmen gehört die Begrenzung des Bezugs von Arbeitslosengeld auf grundsätzlich höchstens zwei Jahre. Weitere Schwerpunkte bilden eine strengere Migrationspolitik und höhere Verteidigungsausgaben.[159][160]
Europapolitik
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Belgien gehörte zu den sechs Gründungsmitgliedern der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl sowie der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft.[161] Es ist außerdem Gründungsmitglied der Benelux-Union und des Europarats sowie eines der ursprünglichen Teilnehmerländer der dritten Stufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und der Eurozone.
Die Ergebnisse des Eurobarometers hängen stark von der jeweiligen Fragestellung ab. Im Herbst 2025 waren 77 Prozent der belgischen Befragten der Ansicht, dass politische Herausforderungen besser gemeinsam innerhalb der Europäischen Union bewältigt werden könnten; 43 Prozent gaben hingegen an, der EU zu vertrauen, gegenüber 48 Prozent im Unionsdurchschnitt.[162]
Brüssel ist Sitz der Europäischen Kommission, des Europäischen Rates, des Rates der Europäischen Union, des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses und des Europäischen Ausschusses der Regionen. Das Europäische Parlament hat seinen rechtlichen Sitz in Straßburg; seine Ausschüsse und zusätzliche Plenartagungen finden jedoch in Brüssel statt.[163] In Brüssel befinden sich außerdem zahlreiche Interessenvertretungen und Nichtregierungsorganisationen, die im Bereich der Europapolitik tätig sind.
Die belgischen Regierungen haben sich seit 1945 für die europäische Einigung eingesetzt. Während des belgischen Ratsvorsitzes im zweiten Halbjahr 2001 beschloss der Europäische Rat von Laeken die Einberufung des Konvents über die Zukunft Europas. Dieser erarbeitete den Entwurf des später gescheiterten Vertrags über eine Verfassung für Europa.[164] Belgien unterstützte anschließend die Übernahme wesentlicher Inhalte des Verfassungsvertrags in den Vertrag von Lissabon, der am 13. Dezember 2007 unterzeichnet wurde und am 1. Dezember 2009 in Kraft trat.
Belgiens Verteidigungspolitik stützt sich sowohl auf die NATO, deren Gründungsmitglied das Land ist, als auch auf die EU im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Belgien misst insbesondere der Zusammenarbeit zwischen EU und NATO sowie einer Stärkung des europäischen Pfeilers innerhalb der NATO Bedeutung bei.[165] In Brüssel befinden sich das politische Hauptquartier der NATO sowie die Europäische Verteidigungsagentur. Das militärische NATO-Hauptquartier SHAPE liegt bei Mons.[166]
Aufgrund der föderalen Struktur Belgiens sind die Regionen und Gemeinschaften entsprechend ihren jeweiligen Zuständigkeiten maßgeblich an der belgischen Europapolitik und an der Umsetzung des Unionsrechts beteiligt. Die europapolitischen Standpunkte Belgiens werden deshalb zwischen der Föderalregierung, den Gemeinschaften und den Regionen abgestimmt.[167] Die Gemeinschaften und Regionen können in den Bereichen ihrer innerstaatlichen Zuständigkeit eigene internationale Beziehungen unterhalten und völkerrechtliche Verträge schließen.[168] So sind die Gemeinschaften unter anderem für die Kulturpolitik zuständig und unterhalten eigene Vertretungen im Ausland.
Im ersten Halbjahr 2024 übte Belgien zum dreizehnten Mal den Vorsitz im Rat der Europäischen Union aus.[169] Bereits die ersten Sitzungen der Ministerräte der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft am 25. Januar 1958 fanden unter dem Vorsitz des damaligen belgischen Außenministers Victor Larock statt.[170] Nach dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon wurde der Belgier Herman Van Rompuy erster ständiger Präsident des Europäischen Rates. Vom 1. Dezember 2019 bis zum 30. November 2024 bekleidete der Belgier Charles Michel dieses Amt.
Belgisch-deutsche Beziehungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Belgien und Deutschland arbeiten politisch und wirtschaftlich eng zusammen. Beide Länder gehören zu den sechs Gründungsmitgliedern der Europäischen Gemeinschaften und sind Gründungsmitglieder der NATO.
Deutschland war 2025 nach den Niederlanden das zweitwichtigste Lieferland Belgiens und zugleich der wichtigste Absatzmarkt für belgische Waren. Belgien war im selben Jahr Deutschlands elftgrößter Handelspartner. Das gegenseitige Warenhandelsvolumen belief sich auf 105,9 Milliarden Euro.[171]
Militär
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Die Belgischen Streitkräfte (niederländisch Belgische Defensie, französisch Défense belge) umfassen die Landstreitkräfte, die Luftstreitkräfte, die Marine und den medizinischen Dienst sowie die Cyber Force. Mitte der 2020er-Jahre verfügten sie über rund 25.000 aktive Militärangehörige. Nach der Strategischen Vision von 2025 soll der Personalbestand bis 2035 auf 34.500 aktive Militärangehörige, 12.800 Reservisten und 8.500 Zivilbeschäftigte steigen.[172]
Die Wehrpflicht wurde 1994 nicht gesetzlich abgeschafft, sondern ausgesetzt. Seit 2026 bietet Belgien wieder ein freiwilliges, zwölfmonatiges militärisches Dienstjahr an, dessen Teilnehmer als Reservisten eingestellt werden.[173] Die gesamtstaatlichen Verteidigungsausgaben beliefen sich 2024 nach der COFOG-Abgrenzung von Eurostat auf 1,3 % des Bruttoinlandsprodukts.[174] Im Jahr 2025 beschloss die belgische Regierung, die nach der abweichenden Begriffsbestimmung der NATO berechneten Verteidigungsausgaben auf 2 % des Bruttoinlandsprodukts anzuheben.[172]
Das Heer (niederländisch Leger, französisch Armée) bilden die größte Teilstreitkraft. Sie werden unter anderem im Rahmen der französisch-belgischen Zusammenarbeit Capacité Motorisée (CaMo) in ihrem Kampfwert erhöht.
Die belgischen Luftstreitkräfte (niederländisch Luchtmacht, französisch Force aérienne) befinden sich im Übergang von der F-16 zur F-35A. Belgien bestellte zunächst 34 F-35A und später weitere elf Flugzeuge; die ersten drei für den Betrieb in Belgien bestimmten Maschinen trafen 2025 auf dem Militärflugplatz Florennes ein.[175] Während der Übergangszeit werden weiterhin F-16 eingesetzt.
Die Marine arbeitet eng mit der niederländischen Marine zusammen. Sie verfügte 2026 über zehn einsatzfähige Schiffe, darunter die beiden Mehrzweckfregatten Leopold I und Louise-Marie sowie die Patrouillenschiffe Castor und Pollux.[176][177] Die bisherigen Minenjagdboote werden schrittweise durch sechs neue Minenabwehrschiffe der City-Klasse ersetzt. Als erstes Schiff dieser Klasse wurde die Oostende im November 2025 in die belgische Marine übernommen.[178]
Polizei
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Die auf dem Gesetz vom 7. Dezember 1998 beruhende und zwischen 2001 und 2002 umgesetzte Umgestaltung der Polizei schuf eine auf zwei Ebenen gegliederte Polizei. Die föderale und die lokale Ebene sind eigenständig, arbeiten jedoch eng zusammen und ergänzen einander.[179]
- Die Föderale Polizei (niederländisch Federale Politie, französisch Police fédérale) besteht aus einem Generalkommissariat und drei Generaldirektionen: der Generaldirektion der Verwaltungspolizei, der Generaldirektion der Kriminalpolizei sowie der Generaldirektion für Ressourcenverwaltung und Information. Daneben bestehen örtliche Koordinations-, Unterstützungs- und kriminalpolizeiliche Direktionen.[180]
- Die Lokale Polizei (niederländisch Lokale Politie, französisch Police locale) bestand 2026 aus 176 Polizeizonen. Sie ging aus den früheren kommunalen Polizeikorps und den Territorialbrigaden der bis 2001 bestehenden Gendarmerie (niederländisch Rijkswacht, französisch Gendarmerie) hervor.[181]
Verwaltungsgliederung
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Belgien ist seit 1993 ein Bundesstaat, der sich sowohl in drei Regionen als auch in drei Gemeinschaften gliedert. Als nachgeordnete Verwaltungseinheiten bestehen zehn Provinzen und 43 Arrondissements. Die lokale Selbstverwaltung wird von den 589 Gemeinden ausgeübt.
Sowohl die Regionen als auch die Gemeinschaften sind Gliedstaaten des belgischen Bundesstaates; sie unterscheiden sich durch ihre territoriale Abgrenzung und ihre Kompetenzen. Die Regionen (niederländisch gewesten, französisch régions) sind zuständig für große Bereiche der Wirtschafts-, Umwelt-, Verkehrs- und Agrarpolitik, zudem üben sie die Rechts- und ggf. Fachaufsicht über Provinzen, Arrondissements und Gemeinden aus. Die Gemeinschaften (niederländisch gemeenschappen, französisch communautés; früher häufig auch als Kultur- bzw. Sprachgemeinschaften bezeichnet) verantworten das gesamte Bildungswesen, die Kulturpolitik sowie weitere „personenbezogene Angelegenheiten“ (Bereiche der Familien-, Gesundheits- und Sozialpolitik, unter anderem die öffentlichen Krankenhäuser). Auch im Vergleich mit anderen Bundesstaaten verfügen Regionen und Gemeinschaften zusammengenommen über ein hohes Maß an Kompetenzen, zudem können sie in ihren Verantwortungsbereichen eigenständig Verträge mit ausländischen Staaten abschließen. Vom belgischen Staat abgeschlossene internationale Verträge, die Kompetenzen der Regionen bzw. Gemeinschaften betreffen, bedürfen der Zustimmung derer Parlamente; dies gilt beispielsweise für die Verträge der Europäischen Union. Bei der Bundesebene sind vor allem die Zuständigkeit für Außen-, Verteidigungs- und Finanzpolitik, die sozialen Sicherungssysteme sowie die Polizei und Justiz verblieben.
Die territoriale Abgrenzung der Regionen und Gemeinschaften richtet sich nach den Sprachgebieten: Die Flämische Region umfasst das niederländische Sprachgebiet, die Wallonische Region das französische und das deutsche Sprachgebiet, die zweisprachige Region Brüssel-Hauptstadt das französisch-niederländische Sprachgebiet. Die Flämische Gemeinschaft übt ihre Befugnisse auf dem niederländischen und dem zweisprachigen Sprachgebiet aus, die Französische Gemeinschaft auf dem französischen und dem zweisprachigen Sprachgebiet, die Deutschsprachige Gemeinschaft auf dem deutschen Sprachgebiet. Regionen und Gemeinschaften verfügen jeweils über ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung. Allerdings haben die Flämische Gemeinschaft und die Flämische Region ihre Institutionen zusammengelegt, so dass es nur ein Flämisches Parlament und eine Flämische Regierung gibt, die sowohl die Befugnisse der Region als auch die der Gemeinschaft ausüben.
Außerdem kennt Belgien auf einer tieferen Verwaltungsebene die zehn Provinzen, die innerhalb der Regionen liegen:
- Die Flämische Region (niederländisch Vlaamse Gewest) umfasst fünf Provinzen:
- Antwerpen (Hauptstadt Antwerpen)
- Limburg (Hasselt)
- Ostflandern (Gent)
- Flämisch-Brabant (Löwen)
- Westflandern (Brügge)
- Die Wallonische Region (französisch Région wallonne) umfasst ebenfalls fünf Provinzen:
- Die Region Brüssel-Hauptstadt (französisch Région de Bruxelles-Capitale, niederländisch Brussels Hoofdstedelijk Gewest) ist provinzfrei. Sie übt ihre Zuständigkeiten im Verwaltungsbezirk Brüssel-Hauptstadt aus, der deckungsgleich mit der Region Brüssel-Hauptstadt ist.
Die unterste Verwaltungsebene stellen die 581 Gemeinden dar (siehe auch Liste der Städte in Belgien, Liste der Gemeinden in Flandern, Liste der Gemeinden in Wallonien, Liste der Gemeinden in der Region Brüssel-Hauptstadt).
Staatshaushalt
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| (Quelle: Eurostat) |
Die gesamtstaatlichen Einnahmen Belgiens beliefen sich 2025 auf 314,7 Milliarden Euro beziehungsweise 49,0 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dem standen Ausgaben in Höhe von 348,0 Milliarden Euro beziehungsweise 54,2 % des BIP gegenüber. Daraus ergab sich ein Haushaltsdefizit von 33,2 Milliarden Euro beziehungsweise 5,2 % des BIP.[182] Diese Angaben beziehen sich auf den gesamten Sektor Staat, also den Föderalstaat, die Gemeinschaften und Regionen, die lokalen Gebietskörperschaften sowie die Sozialversicherung.[182]
Belgien gelang es zwischen 1995 und 2007, den Anteil der Staatsverschuldung am Bruttoinlandsprodukt von rund 131,5 auf 87,5 % deutlich abzubauen. Infolge der Weltfinanzkrise ab 2007 stieg die Schuldenquote jedoch wieder an.[183] Am 25. November 2011 stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s Belgien von „AA+“ auf „AA“ herab. Begründet wurde dies unter anderem mit der damaligen politischen Krise, den schwachen Wachstumsaussichten und dem zunehmenden Druck auf die öffentlichen Finanzen. Am 24. April 2026 senkte Standard & Poor’s die langfristige Bonitätsbewertung wegen der anhaltend hohen Haushaltsdefizite und der langsamen Haushaltskonsolidierung weiter von „AA“ auf „AA−“; der Ausblick wurde als stabil bewertet.[184]
Die konsolidierte Bruttoverschuldung des belgischen Staates betrug Ende 2025 rund 692,5 Milliarden Euro beziehungsweise 107,9 % des Bruttoinlandsprodukts. Damit wies Belgien nach Griechenland, Italien und Frankreich die vierthöchste Schuldenquote in der Europäischen Union auf.[182]
Im Jahr 2024 betrugen die gesamtstaatlichen Ausgaben für folgende Bereiche, jeweils gemessen am Bruttoinlandsprodukt:[185]
- Gesundheit: 8,0 %
- Bildung: 6,3 %
- Verteidigung: 1,3 %
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die zentrale Lage des Landes verschafft der belgischen Wirtschaft einen strategischen Vorteil im Welthandel, unterstützt durch eine gut ausgebaute Infrastruktur wie den Hafen von Antwerpen, der zu den größten europäischen Seehäfen zählt.[186] Belgien war das erste Land auf dem europäischen Festland, das im frühen 19. Jahrhundert industrialisiert wurde.[187] Starke Industrien entstanden im Kohlebergbau, in der Stahl- und Textilindustrie sowie im Maschinenbau, später auch in der chemischen Industrie. Städte wie Lüttich, Charleroi und Gent waren industrielle Zentren.
Durch den Ersten und den Zweiten Weltkrieg entstanden große Schäden, auf die jeweils eine vergleichsweise schnelle wirtschaftliche Erholung folgte. In den 1950er- und 1960er-Jahren verzeichnete Belgien ein starkes Wirtschaftswachstum; zugleich setzte insbesondere in der Wallonie der Bedeutungsverlust der Kohle- und Stahlindustrie ein. Seit den 1970er-Jahren traten strukturelle Schwächen wie die Überalterung traditioneller Industriezweige verstärkt hervor. Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung stiegen vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren erheblich an. Gleichzeitig gewann Flandern durch den Ausbau der Hafenwirtschaft, der Petrochemie, der Logistik und des Dienstleistungssektors an wirtschaftlichem Gewicht.[188]
Belgien und Luxemburg sind die beiden europäischen Staaten, in denen ein allgemeines System der selbsttätigen Anpassung von Löhnen und Sozialleistungen an die Preisentwicklung fortbesteht; seine jeweilige Anwendung unterscheidet sich in Belgien je nach Wirtschaftsbereich und Tarifvertrag (siehe Indexlohn).[189] Davon zu unterscheiden ist die Indexierung von Wohnungsmieten: Diese können in Belgien grundsätzlich einmal jährlich anhand des Gesundheitsindex angepasst werden, wobei örtlich unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen gelten.[190]
Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der nördliche Teil des heutigen Belgiens hatte ab dem Hochmittelalter eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung. Die Grafschaft Flandern war ein Mittelpunkt der Textilindustrie, vor allem der Herstellung hochwertiger Tuche. Rohwolle wurde insbesondere aus England eingeführt, in Flandern verarbeitet und anschließend in weite Teile Europas ausgeführt. Daneben wurden andere hochwertige Textilien und Luxuswaren hergestellt. Es entstanden wirtschaftlich mächtige Städte wie Brügge, Gent und Ypern, die über weitreichende Stadtrechte, eigene Institutionen, Kaufmanns- und Handwerkergilden sowie Märkte verfügten. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Lage an der Nordsee und die Nähe zu England, Frankreich und dem Rheinland.
Brügge war über den Meeresarm Zwin mit der Nordsee verbunden und bis ins 15. Jahrhundert einer der bedeutendsten Handelsplätze Europas. Die Stadt war jedoch keine Hansestadt, sondern beherbergte eines der wichtigsten auswärtigen Kontore der Hanse.[191] Seit dem späten Mittelalter beeinträchtigte die fortschreitende Versandung des Zwin den Zugang zum Meer. Zusammen mit politischen Auseinandersetzungen und Veränderungen der europäischen Handelswege führte dies gegen Ende des 15. Jahrhunderts zum Bedeutungsverlust Brügges. Antwerpen übernahm im 16. Jahrhundert dessen Rolle als wichtigster Handelsplatz der südlichen Niederlande und entwickelte sich zu einem europäischen Schwerpunkt des Handels mit Waren aus dem Mittelmeerraum, dem Ostseeraum und den spanischen und portugiesischen Kolonialreichen.
Nachdem spanische Truppen Antwerpen 1585 eingenommen hatten, hielten die nördlichen niederländischen Provinzen die Scheldemündung militärisch gesperrt. Dies beschleunigte den wirtschaftlichen Niedergang Antwerpens und die Verlagerung eines Teils des Handels und Kapitals nach Amsterdam. Der Westfälische Friede von 1648 bestätigte die Kontrolle der nördlichen Niederlande über die Scheldemündung und damit deren Sperrung für die Seeschifffahrt nach Antwerpen.
Französische Revolutionstruppen erklärten die Schelde 1792 für frei befahrbar; 1795 wurden die Österreichischen Niederlande von Frankreich annektiert. Unter Napoleon Bonaparte wurde der Hafen von Antwerpen anschließend umfangreich ausgebaut. Die 1815 auf dem Wiener Kongress beschlossene Vereinigung der nördlichen und südlichen Niederlande begünstigte die weitere Entwicklung Antwerpens. Nach der belgischen Unabhängigkeit von 1830 blieb die Scheldeschifffahrt zunächst umstritten. Der niederländisch-belgische Vertrag von 1839 sicherte die freie Schifffahrt gegen die Zahlung eines Zolls, der 1863 von Belgien und anderen Handelsstaaten abgelöst wurde.[192]
Im 19. Jahrhundert nahm vor allem der südliche Landesteil – die Wallonie – durch die Ausbeutung der Kohlevorkommen entlang des Industriegebiets von Sambre und Maas einen bedeutenden Aufschwung. Wichtige Reviere lagen im Borinage, um La Louvière, Charleroi und Lüttich. Das Limburger Steinkohlerevier liegt dagegen überwiegend in Flandern und wurde erst im frühen 20. Jahrhundert in größerem Umfang erschlossen. Eisenerz wurde insbesondere aus Lothringen und Luxemburg eingeführt und in Belgien verhüttet. Das lothringische Minette-Erz wurde zu den belgischen Stahlrevieren vor allem per Eisenbahn befördert; daneben dienten Maas und Sambre als wichtige Wasserwege. Einen durchgehenden Kanalweg von den lothringischen Erzgruben nach Lüttich oder Charleroi gab es nicht.[193] Belgien entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem der führenden Industrie- und Exportländer Europas. Die Gewinne und Lebensverhältnisse waren jedoch regional und gesellschaftlich sehr ungleich verteilt.
Heutige Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das nominale Bruttoinlandsprodukt Belgiens betrug nach Angaben der Weltbank im Jahr 2025 rund 725,5 Milliarden US-Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf belief sich im selben Jahr auf rund 60.750 US-Dollar.[194]
Belgien hatte 2024 mit durchschnittlich 48,20 Euro je Arbeitsstunde nach Luxemburg und Dänemark die dritthöchsten Arbeitskosten in der Europäischen Union; der Durchschnitt lag bei 33,50 Euro in der EU und bei 37,30 Euro im Euroraum. In den Arbeitskosten sind neben den Bruttolöhnen auch die vom Arbeitgeber getragenen Lohnnebenkosten enthalten.[195]
Beim durchschnittlichen Verdienst bestehen im europäischen Vergleich geringe Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Nach der europaweit harmonisierten Statistik verdienten Frauen in Belgien 2023 durchschnittlich 0,7 Prozent weniger je Arbeitsstunde als Männer; der Durchschnitt der Europäischen Union betrug 12,0 Prozent (nur Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten und ohne öffentliche Verwaltung).[196] Die genannten Werte vergleichen die durchschnittlichen Verdienste von Frauen und Männern über unterschiedliche Berufe, Branchen und berufliche Positionen hinweg; sie messen nicht unmittelbar den Verdienstunterschied bei gleicher oder gleichwertiger Tätigkeit. Unter Einbeziehung nahezu aller abhängig Beschäftigten betrug der Verdienstunterschied 2024 arbeitszeitbereinigt 6,6 Prozent und ohne Bereinigung nach der Arbeitszeit 19,0 Prozent. Der deutlich größere Unterschied beim Jahresverdienst hängt insbesondere damit zusammen, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten.[197]
Belgien gehört trotz seiner vergleichsweise kleinen Bevölkerung zu den 15 größten Güterexporteuren der Welt.[198] Dank seiner Lage im Zentrum Westeuropas ist es eng in den Binnenmarkt und das Handelsnetz der Europäischen Union eingegliedert. Zu den wichtigsten Handelspartnern gehören die Nachbarländer Deutschland, Frankreich und die Niederlande.
Im letzten nach der bisherigen Methode veröffentlichten Global Competitiveness Index des Weltwirtschaftsforums belegte Belgien 2019 Platz 22 von 141 Staaten.[199] Im von der konservativen Heritage Foundation herausgegebenen Index für wirtschaftliche Freiheit belegte Belgien 2026 Platz 36 von 184 bewerteten Staaten.[200]
Die nach der Begriffsbestimmung der Internationalen Arbeitsorganisation ermittelte Arbeitslosenquote lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei 6,2 Prozent. Die Jugendarbeitslosenquote betrug im selben Jahr 17,4 Prozent.[201][202] Im zweiten Quartal 2026 gab es rund 5,16 Millionen Erwerbstätige.[203] Im Jahr 2025 waren 76,4 Prozent der Männer und 69,3 Prozent der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren beschäftigt. Der Beschäftigungsabstand von 7,1 Prozentpunkten zugunsten der Männer lag unter dem Durchschnitt der Europäischen Union von 9,6 Prozentpunkten.[204][205] Im zweiten Quartal 2026 lag die Arbeitslosenquote dagegen bei Männern mit 6,7 Prozent höher als bei Frauen mit 5,5 Prozent.[206]
Verteilung der Erwerbstätigen nach Wirtschaftssektoren im Jahr 2023:
- Landwirtschaft: 1,1 Prozent[207]
- Industrie: 19,4 Prozent[208]
- Dienstleistungssektor: 79,5 Prozent[209]
| Jahr | 2010 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| BIP in Mrd. USD (Kaufkraftparität) |
471,6 | 541,8 | 553,5 | 571,7 | 599,5 | 651,6 | 647,5 | 716,9 | 800,6 | 840,2 | 869,9 |
| BIP pro Kopf in USD (Kaufkraftparität) |
43.506 | 48.212 | 48.930 | 50.360 | 52.598 | 56.878 | 56.199 | 62.045 | 68.914 | 71.552 | 73.609 |
| BIP-Wachstum (real) |
2,7 % | 1,5 % | 1,2 % | 1,5 % | 1,9 % | 2,4 % | −4,8 % | 6,2 % | 4,3 % | 1,2 % | 1,0 % |
| Inflation (in Prozent) |
2,3 % | 0,6 % | 1,8 % | 2,2 % | 2,3 % | 1,3 % | 0,4 % | 3,2 % | 10,3 % | 2,3 % | 4,3 % |
| Staatsverschuldung (in Prozent des BIP) |
100 % | 106 % | 105 % | 102 % | 100 % | 98 % | 111 % | 109 % | 103 % | 103 % | 105 % |
Tourismus
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Der Tourismus spielt in Belgien eine bedeutende Rolle. Im Travel & Tourism Development Index 2024 des Weltwirtschaftsforums belegte Belgien Platz 23 von 119 untersuchten Staaten. Der Index war 2022 aus dem früheren Travel and Tourism Competitiveness Index hervorgegangen.[210]
Im Jahr 2025 wurden in belgischen Beherbergungsbetrieben rund 46,1 Millionen Übernachtungen gemeldet. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste stieg gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent. Die wichtigsten ausländischen Herkunftsländer waren die Niederlande, Deutschland und Frankreich.[211]
Insbesondere bei britischen Gästen besitzt der Erinnerungstourismus zu den Schauplätzen des Ersten Weltkriegs eine besondere Bedeutung. In der westflämischen Region Westhoek befinden sich zahlreiche Schlachtfelder, Museen, Kriegsdenkmäler und Soldatenfriedhöfe. Mehrere dieser Gedenkstätten gehören seit 2023 als Teil der Grab- und Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs zum UNESCO-Welterbe.[212][213]
Daneben sind die Badeorte und Küstengemeinden an der belgischen Nordseeküste (Knokke-Heist, Zeebrugge, Blankenberge, De Haan, Bredene, Ostende, Middelkerke, Nieuwpoort, Koksijde und De Panne) beliebte Reiseziele. Außerdem sind die Ardennen eine vielbesuchte Urlaubsregion.[214] Von der belgischen Nordseeküste aus können Tagestouren in die angrenzenden Regionen Frankreichs und der Niederlande unternommen werden.
Städtereisen führen insbesondere nach Brüssel, Brügge, Gent und Antwerpen. Brügge gehört zu den am stärksten vom Tourismus geprägten Städten des Landes und wird wegen seiner zahlreichen Kanäle gelegentlich als „Venedig des Nordens“ bezeichnet.
Die Tourismusförderung ist in Belgien örtlich aufgehängt. Wichtige Vereinigungen sind Toerisme Vlaanderen für Flandern, VISITWallonia für Wallonien und visit.brussels für die Region Brüssel-Hauptstadt.[215] Daneben fördert die Tourismusagentur Ostbelgien den Tourismus in der deutschsprachigen Region sowie in Malmedy und Waimes.[216]
Energiewirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An den beiden Standorten Doel und Tihange ist jeweils noch ein Kernreaktor in Betrieb (siehe Kernenergie in Belgien). Die Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 besitzen zusammen eine elektrische Nettoleistung von 2056 MW. Im Laufe des Jahres 2025 waren zeitweise noch weitere Reaktoren in Betrieb; insgesamt erzeugten die belgischen Kernkraftwerke in diesem Jahr rund 23,8 TWh und damit etwa 34 Prozent des im Inland erzeugten Stroms.[217]
Im Winter 2018/19 bestanden zeitweise Sorgen um die Versorgungssicherheit, nachdem sechs der damals sieben belgischen Reaktoren gleichzeitig nicht verfügbar waren. Die Regierung und die zuständigen Stellen bereiteten deshalb zusätzliche Erzeugungskapazitäten und weitere Vorsorgemaßnahmen vor.[218]
Das Regierungsabkommen von 1999 sah einen schrittweisen Atomausstieg vor. Das Parlament legte diesen 2003 gesetzlich fest; ursprünglich sollten die Reaktoren nach jeweils 40 Betriebsjahren und spätestens bis 2025 abgeschaltet werden. Das Gesetz wurde später mehrfach geändert. Im März 2022 beschloss die Föderalregierung, die Laufzeiten von Doel 4 und Tihange 3 um zehn Jahre bis 2035 zu verlängern.[219] Im Mai 2025 hob das belgische Parlament die gesetzliche Verpflichtung zum Atomausstieg sowie das Verbot des Baus neuer Kernkraftwerke auf. Die vereinbarte Laufzeitverlängerung von Doel 4 und Tihange 3 bis 2035 blieb davon zunächst unberührt.[220]
Belgien verfügt über zahlreiche Windkraftanlagen und mehrere Offshore-Windparks vor der Nordseeküste. Zusammen deckten die Windkraftanlagen 2025 etwa 15 Prozent des belgischen Stromverbrauchs. Die Offshore-Windparks erzeugten davon rund 6,6 TWh beziehungsweise 8,2 Prozent des Stromverbrauchs.[221]
Die Offshore-Windkraftanlagen besitzen seit 2020 eine Gesamtleistung von 2261 MW. In der geplanten Prinzessin-Elisabeth-Zone sollen langfristig weitere 3,15 bis 3,5 GW hinzukommen.[222]
Belgien ist durch Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen mit dem Vereinigten Königreich (Nemo Link, seit Januar 2019) und Deutschland (ALEGrO, seit November 2020) verbunden.[223]
Finanzwirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der belgische Bankenmarkt ist stark konzentriert. Auslandsbanken spielen eine wichtige Rolle. Unter den großen belgischen Bankengruppen befinden sich mit BNP Paribas Fortis und ING Belgium zwei Tochtergesellschaften ausländischer Konzerne; daneben gehören insbesondere die KBC Group und die staatliche Belfius zu den bedeutenden Instituten.[224]
Fortis entstand 1990 aus der Fusion der niederländischen AMEV-Versicherungsgesellschaft, der VSB Bank und des belgischen Versicherers AG Group. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem grenzüberschreitenden Finanzkonzern, der sowohl Bank- als auch Versicherungsgeschäfte vereinte. Fortis übernahm 1993 die Algemene Spaar- en Lijfrentekas (ASLK/CGER) und 1998 die Generale Bank der belgischen Société générale de Belgique, wodurch es zeitweise zur größten Bankengruppe Belgiens wurde. Im Zuge der Finanzkrise ab 2008 geriet Fortis in Schwierigkeiten; seine belgischen Bankaktivitäten wurden 2009 von der französischen BNP Paribas übernommen und firmieren seither als BNP Paribas Fortis.
Die belgische Großbank Banque Bruxelles Lambert wurde 1998 von der niederländischen ING Groep übernommen und bildet heute die ING Belgium.
Als größere belgische Institute bestehen daneben die KBC Group, die an der Wertpapierbörse Euronext Brüssel notiert ist, sowie Belfius. Dexia Bank Belgium wurde 2011 vom belgischen Staat übernommen und 2012 in Belfius umbenannt. Die Bank befindet sich vollständig im Besitz des belgischen Staates. Ein Vorgängerinstitut von Dexia war der belgische Gemeindekredit (Crédit Communal de Belgique/Gemeentekrediet van België), der insbesondere Gemeinden und andere öffentliche Körperschaften finanzierte.
Crelan ist eine genossenschaftlich organisierte belgische Bankengruppe. Sie entstand 2013 aus der Fusion des belgischen Landbouwkrediet (französisch Crédit Agricole) mit Centea. 2024 wurde die bereits 2021 übernommene AXA Bank Belgium mit Crelan verschmolzen. Die genossenschaftliche CrelanCo hält weiterhin die Mehrheit; seit 2025 besitzt die französische Crédit-Agricole-Gruppe einen Anteil von 9,9 % an der Crelan SA/NV.[225]
Zu den kleineren Instituten gehören Argenta, die sich vor allem auf Privatkunden konzentriert, und Beobank. Beobank geht auf die 2012 erfolgte Übernahme der belgischen Citibank-Aktivitäten durch Crédit Mutuel Nord Europe zurück und gehört heute zur französischen Crédit Mutuel Alliance Fédérale.
Belgien verfügt mit der Euronext Brüssel über eine bedeutende Wertpapierbörse. Ihr Leitindex ist der BEL20. Die Marktkapitalisierung der börsennotierten Unternehmen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ist vergleichsweise hoch; dieser Indikator erlaubt für sich genommen jedoch keine Aussage darüber, in welchem Umfang belgische Unternehmen unmittelbar über den Kapitalmarkt finanziert werden.[226]
Darüber hinaus verfügt die belgische Föderalregierung mit der Société Fédérale de Participations et d’Investissement (SFPIM/FPIM) über eine staatliche Beteiligungs- und Investitionsgesellschaft, die als Holdinggesellschaft und Investitionsgesellschaft tätig ist und sich selbst als belgischen Staatsfonds bezeichnet.[227]
Vermögen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Global Wealth Report 2026 der Bank UBS belief sich das geschätzte Nettovermögen je erwachsener Person in Belgien Ende 2025 auf durchschnittlich 407.920 US-Dollar. Damit belegte Belgien unter den 56 untersuchten Märkten Rang 11. Beim Medianvermögen lag Belgien mit 277.166 US-Dollar auf Rang 2. Zum Vergleich betrug das durchschnittliche Vermögen je erwachsener Person in Deutschland 346.613 US-Dollar und das Medianvermögen 53.485 US-Dollar; Deutschland belegte damit die Ränge 14 beziehungsweise 30. Als Vermögen erfasst UBS finanzielle und nichtfinanzielle Vermögenswerte, insbesondere Immobilien, abzüglich der Schulden.[228]
UBS schätzte die Zahl der Erwachsenen mit einem Nettovermögen von mehr als einer Million US-Dollar in Belgien auf rund 556.000. Der von UBS berechnete Gini-Koeffizient der Vermögensverteilung lag 2025 bei 0,46 und war damit nach der Slowakei der zweitniedrigste Wert unter den untersuchten Märkten.[229]
Nach den experimentellen Verteilungsrechnungen der Belgischen Nationalbank verfügten die vermögendsten zehn Prozent der belgischen Haushalte im ersten Quartal 2026 über 54,4 % des Nettovermögens der privaten Haushalte, während auf die vermögensärmere Hälfte 7,7 % entfielen. Diese haushaltsbezogenen Angaben sind wegen abweichender Bezugsgrößen und Methoden nicht unmittelbar mit den personenbezogenen Schätzungen von UBS vergleichbar.[230]
Regionale Disparitäten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Belgien weist stark ausgeprägte regionale Unterschiede in der Wirtschaftskraft auf. Insbesondere Wallonien weist seit längerer Zeit ein niedrigeres Bruttoinlandsprodukt und Einkommen je Einwohner sowie ein schwächeres Wirtschaftswachstum als Flandern auf.[231] Kennzeichnend ist insbesondere der schwierige Strukturwandel der ehemals vom Steinkohlenbergbau und teilweise von der Stahlindustrie geprägten Gegenden. Dazu zählen in Wallonien die Gegend um Charleroi, das Pays Noir, die Borinage westlich und südwestlich von Mons, das Industriegebiet Le Centre um La Louvière sowie das Lütticher Becken um Lüttich.[232] Auch das in Flandern gelegene Limburger Steinkohlerevier war nach der Schließung seiner Bergwerke von einem tiefgreifenden Strukturwandel betroffen; das letzte Bergwerk wurde dort 1992 geschlossen.[233]
| Rang | Verwaltungseinheit | BIP 2017 in Mio. Euro |
BIP pro Kopf 2017, KKS, (EU-28 = 100) |
BIP pro Kopf 2017 in Euro |
|---|---|---|---|---|
| – | Region Brüssel-Hauptstadt |
77.694 | 196 | 65.000 |
| 1. | Provinz Antwerpen |
85.753 | 140 | 46.600 |
| 2. | Wallonisch-Brabant |
17.477 | 131 | 43.700 |
| 3. | Provinz Flämisch-Brabant |
47.104 | 125 | 41.500 |
| – | Flandern |
259.786 | 120 | 39.800 |
| – | Belgien |
439.052 | 116 | 38.700 |
| 4. | Provinz Westflandern |
45.263 | 115 | 38.100 |
| 5. | Provinz Ostflandern |
53.855 | 108 | 35.900 |
| – | Europa |
15.383.066 | 100 | 30.000 |
| 6. | Provinz Limburg |
27.810 | 96 | 32.000 |
| – | Wallonische Region |
101.378 | 84 | 28.000 |
| 7. | Provinz Lüttich |
30.812 | 84 | 27.900 |
| 8. | Provinz Namur |
13.008 | 80 | 26.400 |
| 9. | Hennegau |
33.202 | 75 | 24.800 |
| 10. | Provinz Luxemburg |
6.880 | 73 | 24.300 |
Außenhandel
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Belgien verzeichnete 2025 ein geringes Defizit in der Leistungsbilanz von rund 0,2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP); 2024 hatte die Leistungsbilanz nach überarbeitetend Angaben noch einen Überschuss von 0,7 % des BIP aufgewiesen.[235] Die Handelsbilanz wies 2025 einen Überschuss von rund 0,9 % des BIP auf.[235] Die belgische Wirtschaft ist stark in weltweite Lieferketten eingebunden, weshalb ein erheblicher Teil des Warenhandels aus Vor- und Zwischenerzeugnissen besteht.[236] Zu den wichtigsten belgischen Exportwarengruppen gehören chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Maschinen und Ausrüstungen, Nahrungsmittel sowie Metallerzeugnisse.[237]
Demgegenüber war die Dienstleistungsbilanz 2025 mit rund −1,4 % des BIP negativ.[235] Positiv wirkten sich unter anderem die strategisch günstige Lage Belgiens und die Beförderungsdienstleistungen und Warenumschlag rund um den Hafen Antwerpen aus. Auch die Fernmelde-, Computer- und Informationsdienstleistungen sowie die Einnahmen aus der Nutzung geistigen Eigentums wiesen positive Salden auf. Belastet wurde die Dienstleistungsbilanz dagegen vor allem durch den Reiseverkehr; auch der Saldo der Finanzdienstleistungen war negativ.[238]
Die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen war 2025 mit rund 1,4 % des BIP positiv.[235] Dazu gehören sowohl die Erwerbseinkommen von in Belgien ansässigen Arbeitnehmern, die im Ausland arbeiten, darunter Grenzgänger nach Luxemburg, als auch grenzüberschreitende Vermögenseinkommen. Begünstigt wird der Saldo durch den positiven belgischen Nettoauslandsvermögen, der Ende 2025 rund 52 % des BIP betrug.[239] Den Einnahmen stehen allerdings unter anderem Dividenden, Zinsen und reinvestierte Gewinne gegenüber, die belgische Unternehmen an ausländische Kapitalgeber zahlen.
Darüber hinaus verzeichnete Belgien 2025 ein Defizit in der Übertragungsbilanz von rund 1,0 % des BIP.[235] Zu den entsprechenden Zahlungen zählen staatliche Übertragungen an die Europäische Union und internationale Organisationen sowie private Übertragungen wie Rücküberweisungen. Das wachsende Defizit der vergangenen Jahre wurde unter anderem mit höheren Beiträgen zum EU-Haushalt und gestiegenen grenzüberschreitenden privaten Übertragungen in Verbindung gebracht.[240] Im September 2026 revidierte die Belgische Nationalbank die Zahlungsbilanzdaten insbesondere für den elektronischen Handel, den Reiseverkehr und die Rücküberweisungen methodisch.[241]

| Mrd. US$ (2019) |
% gg. Vj. | Mrd. US$ (2020) |
% gg. Vj. | Mrd. US$ (2021) |
% gg. Vj. | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Einfuhr | 318,8 | −6,2 | 294,2 | −7,7 | 344,7 | +17,2 |
| Ausfuhr | 311,7 | −3,6 | 296,1 | −5,0 | 336,5 | +13,6 |
| Saldo | −7,1 | +2,0 | −8,2 |
| Export (in Prozent) nach | Import (in Prozent) von | ||
|---|---|---|---|
| Deutschland |
17,1 | Niederlande |
21,0 |
| Frankreich |
13,4 | Deutschland |
15,9 |
| Niederlande |
12,1 | Frankreich |
10,2 |
| Vereinigte Staaten |
7,1 | Irland |
5,5 |
| Vereinigtes Konigreich |
6,3 | Vereinigte Staaten |
4,8 |
| Italien |
4,2 | Italien |
4,3 |
| Spanien |
2,6 | Spanien |
3,3 |
| sonstige Staaten | 37,2 | sonstige Staaten | 35,0 |
Gewerkschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Medien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der föderale Aufbau Belgiens spiegelt sich auch in der Medienlandschaft des Landes wider. Es bestehen weitgehend getrennte, nach den Sprachgemeinschaften aufgebaute Medienmärkte auf Niederländisch, Französisch und Deutsch.[243]
Der flämische Zeitungsmarkt ist stark konzentriert und wird vor allem von zwei Verlagsgruppen beherrscht: Mediahuis mit Sitz in Antwerpen ist unter anderem Herausgeber von De Standaard und Het Nieuwsblad, DPG Media (ehemals De Persgroep) Herausgeber von Het Laatste Nieuws und De Morgen. Mediafin, ein Gemeinschaftsunternehmen von Rossel und der Roularta Media Group, gibt die Wirtschaftszeitung De Tijd heraus.[244][245] Die Roularta Media Group mit Sitz in Roeselare gibt außerdem die Zeitschrift Knack heraus.
Die französischsprachige Zeitung Le Soir wird vom Verlagshaus Rossel mit Sitz in Brüssel herausgegeben. La Libre Belgique, La Dernière Heure/Les Sports und L’Avenir gehören zur ebenfalls in Brüssel ansässigen IPM Group.[246] Im Juli 2026 genehmigte die Belgische Wettbewerbsbehörde unter Auflagen die Übernahme der Presseaktivitäten von IPM durch Rossel.[247] Sudinfo mit seinen Regionalausgaben, darunter La Meuse, wird von der zum Rossel-Konzern gehörenden Groupe Sudmedia herausgegeben.[248] Die Wirtschaftszeitung L’Écho wird wie De Tijd von Mediafin verlegt. Die Zeitschrift Le Vif/L’Express erscheint bei der Roularta Media Group.
Beim Rundfunk bestehen für die drei Sprachgemeinschaften jeweils getrennte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten: die VRT (Vlaamse Radio- en Televisieomroeporganisatie) für die Flämische Gemeinschaft, die RTBF (Radio-télévision belge de la Communauté française) für die Französische Gemeinschaft und der BRF (Belgischer Rundfunk) für die Deutschsprachige Gemeinschaft. Der Zuständigkeitsbereich der RTBF umfasst damit neben dem französischsprachigen Teil der Wallonie auch die französischsprachige Bevölkerung der Region Brüssel-Hauptstadt. Der BRF bietet Hörfunk-, Fernseh- und Onlineangebote an.[249] Von den deutschsprachigen Ostbelgiern werden aufgrund der Grenzlage neben den BRF-Programmen auch Hörfunk- und Fernsehprogramme aus Deutschland genutzt.
Bedeutendste und einzige deutschsprachige Tageszeitung Belgiens ist das in Eupen erscheinende GrenzEcho.[250] Weitere deutschsprachige Publikationen sind die Wochenzeitungen Wochenspiegel und KurierJournal, das Online-Magazin Ostbelgien Direkt sowie die landwirtschaftliche Verbandszeitschrift Der Bauer.[251][252]
Gesellschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Religion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da in Belgien keine amtliche Statistik über die Religionszugehörigkeit geführt wird, beruhen entsprechende Angaben auf Umfragen. Nach dem European Social Survey von 2023 gehörten rund 59 Prozent der Befragten keiner Glaubensgemeinschaft an. Rund 34 Prozent bezeichneten sich als Christen, darunter 31 Prozent als römisch-katholisch, 1,3 Prozent als protestantisch und 0,6 Prozent als orthodox; rund 6 Prozent bezeichneten sich als muslimisch.[253] Daneben bestehen kleinere jüdische, buddhistische und hinduistische Minderheiten.
Traditionell war Belgien lange Zeit ein stark katholisch geprägtes Land. Genaue historische Bekenntniszahlen sind jedoch nur eingeschränkt verfügbar. Um 1905 lebten historischen Schätzungen zufolge mehr als 25.000 Juden in Belgien.[254]
Die religiösen Gegensätze gehörten neben politischen, sprachlichen, sozialen und wirtschaftlichen Spannungen zu den Ursachen der Belgischen Revolution und der Abspaltung Belgiens im Jahr 1830 vom überwiegend protestantisch regierten Norden der 1815 gebildeten Vereinigten Niederlande.[255] Die katholische Tradition prägte alle drei Sprachgebiete. Mit der KU Leuven ist eine der bedeutendsten Universitäten des Landes aus einer katholischen Tradition hervorgegangen. Vor allem das ländliche Flandern war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts stark katholisch geprägt; im frühzeitig industrialisierten Wallonien begünstigten der Liberalismus und die sozialistische Arbeiterbewegung eine stärkere Säkularisierung, die in den 1960er-Jahren auch den flämischen Landesteil erfasste.
Die Vereinigte Protestantische Kirche in Belgien entstand 1978 durch den Zusammenschluss mehrerer protestantischer Kirchen. Sie ist eine unierte Kirche mit reformierten, lutherischen und methodistischen Traditionen.[256] In Brüssel befindet sich die traditionsreiche Église Protestante de Bruxelles, die gewöhnlich Chapelle royale genannt wird, weil der evangelische König Leopold I. dort am Gottesdienst teilnahm.[257] Die deutschsprachige evangelische Emmausgemeinde in Brüssel ist eine selbstständige Gemeinde, die mit der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien und der Evangelischen Kirche in Deutschland verbunden ist.[258] Daneben bestehen protestantische Freikirchen, darunter die Baptisten in Belgien.
Nach dem European Social Survey von 2023 bezeichneten sich rund 6 Prozent der Befragten als muslimisch.[253] Die muslimische Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf größere Städte wie Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Charleroi. Viele belgische Muslime haben familiäre Wurzeln in Marokko oder der Türkei.
Der belgische Staat erkennt sechs Religionen sowie eine nichtkonfessionelle Weltanschauung an und fördert ihre Vertretungsorgane: die römisch-katholische, die protestantisch-evangelische, die jüdische, die anglikanische, die islamische und die orthodoxe Religionsgemeinschaft sowie den organisierten weltanschaulichen Humanismus. Die jüdische Religionsgemeinschaft wurde 1808, die anglikanische 1835, die protestantisch-evangelische 1876, der Islam 1974, die orthodoxe Kirche 1985 und der organisierte weltanschauliche Humanismus 2002 anerkannt. Buddhismus und Hinduismus sind bislang nicht als Religionen anerkannt; ihre Vertretungsorganisationen erhalten jedoch staatliche Zuschüsse.[259]
Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission im Rahmen des Eurobarometers ergab 2020, dass Religion für 24 Prozent der Befragten in Belgien wichtig war; 25 Prozent hielten sie für weder wichtig noch unwichtig und 51 Prozent für unwichtig.[260]
Homosexualität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Belgien verfügt über eine weitreichende rechtliche Gleichstellung homosexueller Menschen. Einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen sind seit 1795 legal. Zwischen 1965 und 1985 bestand allerdings ein höheres Schutzalter für homosexuelle als für heterosexuelle Handlungen.[261] Zum Vergleich waren einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Männern in Deutschland aufgrund des § 175 des Strafgesetzbuches bis 1969 strafbar. Im Jahr 2003 wurde ein allgemeines Antidiskriminierungsgesetz verabschiedet; das geltende föderale Antidiskriminierungsgesetz vom 10. Mai 2007 schützt unter anderem vor Benachteiligungen aufgrund der sexuellen Orientierung.[262] Als zweiter Staat der Welt öffnete Belgien nach den Niederlanden im Jahr 2003 die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.[263] Die Vereinigte Protestantische Kirche erlaubt seit 2007 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.
Antisemitismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Antwerpen lebt eine der größten orthodoxen und ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaften Europas, die in einigen Vierteln das Stadtbild prägt.[264] Unia, die unabhängige öffentliche Einrichtung zur Bekämpfung von Diskriminierung, erhielt 2024 insgesamt 277 Meldungen mit Bezug auf Antisemitismus oder Holocaustleugnung; daraus wurden 79 Vorgänge eröffnet. Meldungen an Unia sind dabei nicht mit polizeilich registrierten Straftaten gleichzusetzen.[265]
Das Heimspiel der belgischen Fußballnationalmannschaft gegen Israel in der UEFA Nations League im September 2024 wurde aus Sicherheitsgründen nach Debrecen in Ungarn verlegt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen, nachdem sich keine belgische örtliche Behörde zur Austragung des Spiels bereit erklärt hatte.[266]
Seit mehreren Jahren steht der Karnevalsumzug der Stadt Aalst in der Kritik, weil dort wiederholt antijüdische Stereotype verwendet wurden. Die UNESCO strich den Aalster Karneval im Dezember 2019 auf Antrag der Stadt von der Liste des immateriellen Kulturerbes. Die UNESCO verwies dabei auf wiederkehrende rassistische und antisemitische Darstellungen, die mit den Grundsätzen der Organisation unvereinbar seien.[267]
Zu den schwersten antisemitischen Gewalttaten der jüngeren belgischen Geschichte gehört der Anschlag auf das Jüdische Museum von Belgien in Brüssel, bei dem am 24. Mai 2014 vier Menschen erschossen wurden.
Infrastruktur und Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dank seiner zentralen Lage als europäisches Handelszentrum verfügt Belgien über ein dichtes Verkehrsnetz. Im Logistics Performance Index der Weltbank belegte Belgien 2023 den siebten Platz unter 139 Ländern.[268]
Feuerwehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die belgischen Feuerwehren sind in 34 Hilfeleistungszonen sowie dem Feuerwehrdienst der Region Brüssel-Hauptstadt gegliedert. Nach Angaben des Föderalen Öffentlichen Dienstes für Inneres gibt es landesweit rund 6000 Berufsfeuerwehrleute und 12.000 freiwillige Feuerwehrleute.[269] Auf Bundesebene ist die Generaldirektion Zivile Sicherheit des Innenministeriums für Aufgaben der zivilen Sicherheit zuständig.[270]
Eisenbahn
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Belgien war mit der am 5. Mai 1835 eröffneten Strecke von Brüssel nach Mechelen das erste Land auf dem europäischen Festland mit einer Eisenbahnverbindung.[271] Die Compagnie Internationale des Wagons-Lits, die unter anderem den Orient-Express betrieb, wurde 1872 vom belgischen Unternehmer Georges Nagelmackers gegründet.[272]
Die Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen (NMBS/SNCB) betreibt den größten Teil des nationalen Personenverkehrs. Die Eisenbahninfrastruktur wird von Infrabel betrieben. Das belgische Schienennetz umfasst rund 3600 Kilometer Strecken.[273] Eine unmittelbare Fernverkehrsverbindung zwischen Ostende und Köln bestand zunächst als Zug „Saphir“. Ab 1987 verkehrte sie als EuroCity „Memling“; 1997 wurde der Zug durch den Thalys ersetzt.[274] Das belgische Hochgeschwindigkeitsnetz wurde schrittweise ausgebaut: Die HSL 1 zur französischen Grenze ging 1997 in Betrieb, die HSL 2 zwischen Leuven und Ans 2002. 2009 folgten die HSL 3 von Lüttich zur deutschen Grenze und die HSL 4 von Antwerpen zur niederländischen Grenze. Die Strecken verbinden Belgien mit Frankreich, Deutschland und den Niederlanden.[275]
Im grenzüberschreitenden Bahnverkehr ist Belgien heute über Hochgeschwindigkeitsstrecken mit seinen Nachbarländern verbunden. Grenzüberschreitende Zugverbindungen werden unter anderem von Eurostar, TGV INOUI, ICE und Eurocity Direct angeboten.[276] Der ÖBB-Nightjet verbindet Brüssel mehrmals pro Woche mit Wien.[277] Heute verbinden ICE-Züge Brüssel und Lüttich über Aachen mit Köln und Frankfurt.[278] Der Eurostar verbindet Paris – Brüssel – Lüttich – Aachen – Köln, mit Weiterfahrt Richtung Düsseldorf, Essen und Dortmund. Ebenfalls durch den Eurostar angeschlossen werden London – Paris – Lille – Brüssel und Paris – Brüssel – Antwerpen – Rotterdam – Amsterdam.
Im grenzüberschreitenden Nahverkehr verkehren unter anderem stündliche S-Züge über die Bahnstrecke Liège–Aachen zwischen Lüttich und Aachen über Verviers und Welkenraedt. Über die Bahnstrecke Lüttich–Maastricht fährt der „Zug der drei Länder“; weitere Regionalverbindungen führen unter anderem nach Roosendaal, Lille und Maubeuge.[279][280][281] Seit 2015 baut die NMBS/SNCB das S-Bahn-Angebot in und um Brüssel, Antwerpen, Gent, Charleroi und Lüttich aus.[282]
Öffentlicher Nahverkehr
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Belgien verfügt über ein dicht ausgebautes Netz im öffentlichen Nahverkehr. Die wichtigsten Betreiber sind STIB/MIVB in Brüssel, De Lijn in Flandern und die TEC in der Wallonie.
Neben dem Busverkehr gibt es städtischen Schienenverkehr: In Brüssel verkehren Metro und Straßenbahn; Straßenbahnen gibt es außerdem in Antwerpen, Gent, Charleroi und Lüttich.
Die Kusttram verbindet mit 67 Haltestellen die Orte entlang der belgischen Nordseeküste.[283] Sie ist ein Überrest des früheren Überlandstraßenbahnnetzes (Netzes der Vicinalbahnen), das von der Nationalen Kleinbahngesellschaft (SNCV/NMVB) betrieben wurde. Die von der SNCV/NMVB betriebenen Schmalspurbahnen und Straßenbahnen verbanden Städte und ländliche Gemeinden. Um 1935 umfasste ihr Streckennetz rund 5000 Kilometer.[284] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Strecken stillgelegt; auf vielen ländlichen Linien ersetzten Busse den Schienenverkehr. 1985 waren nur noch rund 200 Kilometer Gleise übrig.[285]
Viele ehemalige Bahntrassen dienen heute als Wege für den nicht motorisierten Verkehr. In Wallonien wurde dafür 1995 das RAVeL-Netz geschaffen, das überwiegend auf ehemaligen Bahntrassen und Treidelpfaden verläuft. Zu den darin genutzten Trassen gehören auch frühere Strecken der SNCV/NMVB; andere stillgelegte Bahnlinien werden heute als kommunale oder regionale Wege genutzt.[286][287]
Schifffahrt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Belgien ist ein wichtiges Transitland zwischen Mittel- und Westeuropa. Die Hafenstandorte Antwerpen und Zeebrügge werden gemeinsam verwaltet. Der Hafen verzeichnete 2024 einen Gesamtgüterumschlag von rund 278 Millionen Tonnen.[288]
Siehe auch: Belgische Häfen
Flugverkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der wichtigste Flughafen des Landes ist der Flughafen Brüssel-Zaventem. Weitere internationale Flughäfen befinden sich bei Charleroi, Lüttich, Antwerpen und Ostende-Brügge.
Die Fluggesellschaft Sabena stellte nach ihrem Konkurs am 6. November 2001 den Betrieb ein. Brussels Airlines entstand aus der Zusammenführung von SN Brussels Airlines und Virgin Express; die gemeinsame Marke wurde 2007 eingeführt.[289]
Straßenverkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das belgische Straßennetz umfasste Ende 2020 rund 155.210 Kilometer, darunter 1763 Kilometer Autobahnen.[290]
Belgische Autobahnen führen in alle vier Nachbarländer. Die meisten grenzüberschreitenden Abschnitte entstanden im Zuge des Ausbaus des Autobahnnetzes nach dem Zweiten Weltkrieg; besonders rasch wurde das Netz in den 1960er und frühen 1970er Jahren erweitert.[291][292]
- Niederlande: Die A1 (E19) führt über Antwerpen nach Breda und weiter Richtung Rotterdam. Die A2 (E314) verbindet Leuven und Genk mit dem niederländischen Südlimburg; über die A76 bestehen Verbindungen Richtung Heerlen und Aachen. Die A12 führt von Brüssel über Antwerpen zur niederländischen Grenze und weiter Richtung Bergen op Zoom. Die A21 (E34) verbindet Antwerpen und Turnhout mit Eindhoven. Die A25 (E25) führt von Lüttich über die Grenze nach Maastricht.[293]
- Deutschland:Die A3 (E40) führt von Brüssel und Lüttich nach Aachen. Die A27 (E42) erschließt von Verviers aus die deutsche Eifel und führt über die deutsche B51 Richtung Prüm und Wittlich.[294]
- Luxemburg: Die A4 (E411) führt von Brüssel über Namur und Arlon zur Grenze und wird in Luxemburg als A6 in Richtung Luxemburg-Stadt fortgesetzt.[295]
- Frankreich: Die A7 (E19) führt über Mons zur französischen A2 und weiter nach Valenciennes und Paris. Die A8 (E429) verbindet Halle und Tournai mit Lille. Die A14 (E17) führt von Antwerpen über Gent und Kortrijk zur französischen A22 bei Lille. Die A18 (E40) verbindet Brügge und Veurne mit der französischen A16 Richtung Dunkerque und Calais. Die kurze A28 bei Aubange führt über die Grenze auf die französische N52 Richtung Longwy und Metz; sie ist nicht direkt an die A4 angeschlossen, sondern über die N81 erreichbar.[296][297][298]
Die Autobahnbeleuchtung und ihre Betriebszeiten unterscheiden sich von Strecke zu Strecke. In Flandern wird die Beleuchtung auf Autobahnen nach einer Sicherheitsbewertung gesteuert und nachts, soweit möglich, gedimmt oder abgeschaltet.[299]
Eine kilometerabhängige Gebühr gilt in Belgien für bestimmte schwere Güterfahrzeuge auf mautpflichtigen Straßen. Eine allgemeine Autobahnmaut für Pkw wurde nicht eingeführt.[300]
Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gastronomie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine typische gesamtbelgische Küche gibt es nicht, da zahlreiche Spezialitäten eher der flämischen Küche oder der Küche Walloniens zuzuordnen sind oder von den Kochkünsten der Nachbarländer, insbesondere Frankreichs inspiriert sind. Es wurde eine weltbekannte Erfindung in Belgien gemacht, die häufig falsch eingeordnet wird: Pommes frites. Belgische Waffeln stellen ebenfalls eine Spezialität dar. Die bekanntesten Waffelarten sind die Brüsseler und die Lütticher Waffeln. Des Weiteren ist Belgien für seine Pralinen bekannt, welche zur Weltspitze gehören. Diese sind nicht zu verwechseln mit den Lyonaiser Pralinen (Pralines roses). Eine weitere Besonderheit ist die Sortenvielfalt der belgischen Biere, darunter zahlreiche Abteibiere (Abdijbier, Bière d’Abbaye), insbesondere die Trappistenbiere Westmalle, Westvleteren, Rochefort, Orval und Chimay mit höherem Alkoholgehalt, mit Spontangärung vergorene Biere (z. B. Lambic, Geuze, Faro) mit Hefen, die im Bereich der Senne heimisch sind oder mit Fruchtaromen versetzte Biere (z. B. Kriek). Jedoch ist die am meisten getrunkene Biersorte Pilsner Bier, insbesondere von den Marken Jupiler aus Lüttich und Stella Artois aus Löwen, die beide zum belgischen Brauereikonzern AB-InBev gehören, und Maes aus Mechelen von Alken-Maes. Die hohe Sortenvielfalt ist auch mit dem fehlenden Tradition des Reinheitsgebots zu erklären. Sehr starke Biere wurden in Belgien auch deshalb so beliebt, weil die Steuer auf Branntwein verhältnismäßig hoch war und ist[301] und durch das Vandervelde-Gesetz, welches bis in die 1980er-Jahre den Verkauf von Branntwein in der Gastronomie verbot.
In Belgien werden auch Schaumweine in dem Gebiet Crémant de Wallonie erzeugt.
Bekannt sind auch die belgischen Abteikäse von Chimay, Orval, Maredsous und sonstige Käse wie Fromage de Herve, Remoudou oder Passendale.
Karneval
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Wallonie ist der Karneval tief mit Brauchtum und jahrhundertealten Ritualen verbunden. Er hat oft ländliche Wurzeln, ist stark ritualisiert und verzichtet weitgehend auf politische Satire.
Drei der bekanntesten Karneval sind:
- Karneval von Binche: Berühmt für die „Gilles“- Männer in aufwendig bestickten Kostümen, Wachsmasken und Straußenfederhüten, die Orangen in Zuschauerschaft werfen – ein Symbol für Glück und Fruchtbarkeit. Die Tradition wurde 2003 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.[302]
- Karneval von Malmedy: Der „Cwarmê“ mit Figuren wie dem „Haguète“ verkörpert regionale Identität, wird ausschließlich auf Wallonisch kommentiert und ist bereits seit dem 15. Jahrhundert belegt.[303]
- Karneval Stavelot: Am Laetare-Sonntag ziehen die „Blancs-Moussis“ durch die Straßen – weiß vermummte Figuren mit roten Nasen, die Konfetti werfen und die Geistlichkeit parodieren. Auch dieser Brauch wurde 2022 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Föderation Wallonie-Brüssel aufgenommen.[304]
In der Wallonie ist der Karneval eng mit der Fastenzeit verknüpft. Viele Feiern finden nicht im klassischen Faschingszeitraum, sondern erst am Laetare-Sonntag statt.
In Flandern ist der bekannteste Karneval der Karneval von Aalst, wo riesige Prunkwagen mit bissiger politischer Satire durch die Stadt ziehen – nicht unähnlich den Karnevalsumzügen in Köln oder Düsseldorf. Aalst war bis 2019 Teil des immateriellen UNESCO-Kulturerbes, wurde jedoch nach antisemitischen Darstellungen aus dem Verzeichnis entfernt.[305]
Auch andere flämische Städte wie Dendermonde, Halle oder Ronse pflegen ihre Karnevalstraditionen mit viel Musik, Humor und Familienfreundlichkeit – allerdings meist ohne tief verwurzelte folkloristische Figuren wie in der Wallonie.
Sport
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Ein beliebter Sport in Belgien ist Fußball. Die 1. belgische Liga ist eine der ältesten der Welt. In den 1970er- und 1980er-Jahren gehörte das belgische Nationalteam (Rote Teufel genannt) zur internationalen Spitze. Nach der Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 konnte sich Belgien allerdings zwölf Jahre lang nicht mehr für ein internationales Turnier qualifizieren. In den letzten Jahren zählte die belgische Nationalmannschaft jedoch wieder zur Weltspitze, wie sie mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 bewies. (Siehe auch: Fußball in Belgien)
Der Nationalsport in Belgien ist jedoch der Radsport. Deswegen hat Belgien auch einige Berühmtheiten im Radsport hervorgebracht. So gehörten und gehören Eddy Merckx, Roger De Vlaeminck, Johan Museeuw, Peter Van Petegem sowie Tom Boonen zu den besten Radsportlern der Welt. Wichtige Eintagesklassiker finden in Belgien statt, beispielsweise Lüttich–Bastogne–Lüttich und die Flandern-Rundfahrt.
Speziell zu erwähnen ist auch der Cyclocross, eine Spezialdisziplin des Radsports, welche im Winter ausgetragen wird. Die heimischen Rennen werden von zehntausenden Zuschauern besucht. In der Regel werden drei bis vier der ca. acht Weltcup-Wettbewerbe in Belgien ausgetragen, ebenso wie die meisten am höchsten eingestuften sonstigen Wettbewerbe. Belgien dominiert den Sport wie kein anderes Land und stellte mit Abstand die meisten Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger, wobei besonders Sven Nys hervorzuheben ist.
Auch der Tennissport ist im Aufwind. Die flämische Kim Clijsters und die wallonische Justine Henin gehörten lange Zeit zu den besten Spielerinnen der Welt.
In der Leichtathletik ist Kim Gevaert (100 und 200 m) Europameisterin und Tia Hellebaut (Hochsprung) Olympiasiegerin.
Rugby Union wird ebenfalls in Belgien gespielt. Der belgischen Nationalmannschaft gelang jedoch noch nicht die Qualifikation für eine Rugby-Union-Weltmeisterschaft. Belgien ist einer der Teilnehmer bei der Rugby-Union-Europameisterschaft und trifft dort auf andere aufstrebende Nationalmannschaften. Der ehemalige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Jacques Rogge war für die belgische Nationalmannschaft aktiv.
Nicht vergessen werden sollte Karambolage und Billard Artistique, in denen die Sportler René Vingerhoedt und Raymond Ceulemans über Jahre die Szene dominierten. Den Titel bei der Snookerweltmeisterschaft 2023 errang Luca Brecel. Auch für viele Amateur- und Kneipenspieler hat Billard einen hohen Stellenwert.
Der Rundkurs von Spa-Francorchamps wird zu den anspruchsvollsten Strecken im Motorsport gezählt. Hier gastieren in regelmäßigen Abständen internationale Rennserien, darunter seit 1950 die Formel 1. Zu den Höhepunkten gehört auch das jährlich stattfindende 24-Stunden-Rennen.
Mit dem Circuit Zolder verfügt Belgien über eine zweite Rennstrecke von überregionaler Bedeutung. Von 1973 bis 1984 trug hier ebenfalls die Formel 1 Rennen aus. Nivelles-Baulers, der dritte Kurs, auf dem Formel-1-Rennen stattfanden, existiert nicht mehr.
Auf der Speedwaybahn von Heusden-Zolder wurden bereits mehrmals internationale Prädikatsrennen ausgefahren. Auf der Grasbahn in Alken in der Provinz Limburg wurde bereits das Finale zur Grasbahn-Europameisterschaft ausgetragen.
Special Olympics Belgien wurde 1979 gegründet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.
Comics
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Comics sind in Belgien generell sehr populär; ein großer bekennender Fan war zum Beispiel König Baudouin. Den Bandes Dessinées (kurz BD, französisch) oder Strips (niederländisch) begegnen Menschen häufig im Stadtbild. Qualitative Buchhandlungen in Belgien verfügen über spezielle BD-Abteilungen. Zudem werden in großen Supermärkten Comics angeboten.
Comics sind ein Hauptexportartikel belgischer Verlage, denn viele international bekannte und berühmte Comiczeichner und Autoren stammen aus Belgien, das damit im Vergleich zu seiner Größe die meisten in Europa hervorgebracht hat. Die berühmtesten sind Willy Vandersteen (Suske und Wiske), Jean Graton (Michel Vaillant), Morris (Lucky Luke), Hergé (Tim und Struppi), Peyo (Die Schlümpfe und weiteres), André Franquin (Spirou und Fantasio, Gaston und Marsupilami) und Philippe Geluck (Le Chat).
| Jahr | Anzahl |
|---|---|
| 1975 | 14 |
| 1985 | 7 |
| 1995 | 8 |
| 2005 | 28 |
In Belgien ist es möglich, Comic als Studienrichtung an Kunsthochschulen wie der Königlichen Akademie für bildende Kunst und dem Institut Saint-Luc in Brüssel zu studieren. Daher werden die Bandes Dessinées in Belgien auch als „neunte Kunst“ tituliert. In Brüssel gibt es ein Comic-Museum (Centre Belge de la Bande Dessinée), in dem dieser Kunstrichtung auf drei Etagen gehuldigt wird.
Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im 15. und 16. Jahrhundert, der Zeit der Renaissance, waren zahlreiche Komponisten aus dem Gebiet des heutigen Belgien, vor allem aus dem Hennegau, führend. Die Musik der Renaissance war stilprägend in Europa. Bedeutende Namen der franko-flämischen Musik sind Guillaume Dufay, Johannes Ockeghem, Josquin Desprez, Heinrich Isaac, Jacob Obrecht, Adrian Willaert, Orlando di Lasso. Der französische Komponist César Franck wurde in Lüttich geboren, verbrachte seine ersten dreizehn Lebensjahre in Belgien und war dort bereits musikalisch aktiv, bevor die Familie 1835 nach Paris umsiedelte. Für die Musikwelt des 19. Jahrhunderts (und darüber hinaus) war Adolphe Sax eine bedeutende Figur. Ein weltweit äußerst renommierter Musikwettbewerb ist der Concours Reine Elisabeth.
Im Jazz sind der Mundharmonikaspieler Toots Thielemans, der Tenorsaxophonist und Flötist Bobby Jaspar und der Gitarrist Philip Catherine international hervorgetreten. Der Rockmusiker Gotye, der mit seinem Hit Somebody That I Used to Know berühmt und erfolgreich wurde, ist in Belgien geboren.
Zu den bekanntesten Bands im 21. Jahrhundert zählen dEUS, Gotye, Hooverphonic und Triggerfinger.
Seit den späten 1990er-Jahren ist Belgien eine Hochburg der Trance-Musik (früher v. a. Hard Trance). International erfolgreich sind die Gruppen Ian Van Dahl, Lasgo und Sylver. In der etwas progressiveren Szene sind z. B. Push oder Yves Deruyter sehr bekannt.
In Belgien gibt es viele Musikfestivals. Bekannt sind unter anderem Tomorrowland, Rock Werchter, Dour Festival, Pukkelpop, Gentse Feesten oder Coleur Café, Graspop Metal Meeting, Brussels Summer Festival, Les Ardentes oder Ronquières Festival.
Maler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit dem 14. Jahrhundert hatte sich ein Wandel vollzogen: Weltliche Mäzene lösten die Kirche als wichtigsten Auftraggeber für Kunstwerke ab. Darin begründete sich die Altniederländische Malerei, die stilprägend wurde und zahlreiche bekannte Maler – die flämische Primitive – hervorbrachte. Bekannte Maler sind Pieter Bruegel der Ältere, Peter Paul Rubens, Rogier van der Weyden, Hugo van der Goes, Jan van Eyck. Für spätere Epochen bekannt wurde der Industriemaler Léonard Defrance, James Ensor und der Surrealist René Magritte wie auch der Freund von Vincent van Gogh, Eugène Boch, und dessen Schwester Anna Boch.
Sonstige Künstler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bekannte Architekten sind der Bauhaus-Architekt Henry van de Velde und die Jugendstilarchitekten Victor Horta und Paul Hankar und für Art déco Paul Jaspar und Joseph Diongre.
- Weltweit bekannte Schriftsteller sind Charles De Coster, Émile Verhaeren, Maurice Maeterlinck, Georges Simenon und Amélie Nothomb.
- Bekannte Schauspieler sind der Actionfilm-Held Jean-Claude Van Damme, die Schauspieler Benoît Poelvoorde und Johnny Galecki, die Schauspielerinnen Émilie Dequenne, Cécile de France und Jasmin Schwiers. Erfolgreiche Regisseure sind die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne.
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Besonderheiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Belgien ist die aktive Sterbehilfe erlaubt, auch bei Minderjährigen, und durch ein Gesetz geregelt, das dafür Ärzte mit besonderer Weiterbildung vorsieht.[307]
Im Jahr 2017 haben insgesamt 2.309 Menschen die aktive Sterbehilfe in Anspruch genommen, darunter drei Minderjährige.[308] Im Jahr 2009 existierten 822 Fälle, davon knapp 80 Prozent in Flandern.[309]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Christoph Driessen: Geschichte Belgiens. Die gespaltene Nation. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2018, ISBN 978-3-7917-2975-6.
- Insa Meinen: Die Shoah in Belgien. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-22158-5.
- Johannes Koll (Hrsg.): Belgien. Geschichte – Politik – Kultur – Wirtschaft. Aschendorff Verlag, Münster 2007, ISBN 978-3-402-00408-1.
- Frank Berge, Alexander Grasse: Belgien – Zerfall oder föderales Zukunftsmodell? Der flämisch-wallonische Konflikt und die Deutschsprachige Gemeinschaft (= Regionalisierung in Europa. Band 3). Leske und Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3486-X.
- Claus Hecking: Das politische System Belgiens. Leske und Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3724-9.
Dokumentarfilm
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Belgien – Kleines Land mit drei Gesichtern. NDR 2025, 44 Minuten.
- Luxemburg und Belgien von oben. ZDF 2024, 44 Minten.
Weblinks
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Atlas: Belgien – geographische und historische Karten bei Wikimedia Commons
- Offizielle Website des Föderalen Öffentlichen Dienstes (niederländisch, französisch, deutsch, englisch)
- Königlicher Palast – Die Monarchie in Belgien (niederländisch, französisch, deutsch, englisch)
- Offizielle touristische Website Belgiens (englisch)
- Länderdaten des deutschen Statistischen Bundesamtes
- Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Belgien
- Belgieninfo – Deutschsprachige aktuelle Informationsseite
- Vor 175 Jahren entfacht eine Oper die belgische Revolution. In: arte.tv. 25. August 2005, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 20. Mai 2011; abgerufen am 21. April 2020.
- Linkkatalog zum Thema Belgien bei curlie.org (ehemals DMOZ)
- Literatur von und über Belgien im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- CIA World Factbook: Belgien (englisch)
- Länderinformationen des deutschen Auswärtigen Amtes
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Die Rolle der Monarchie, belgium.be; abgerufen am 12. April 2020.
- ↑ Der König, Die Monarchie in Belgien; abgerufen am 12. April 2020.
- ↑ a b La Belgique est désormais un peu plus grande. In: lalibre.be. 10. Januar 2019, abgerufen am 17. Januar 2019 (französisch, Anpassung der Fläche an neue Vorgaben von Eurostat, wodurch die Grundfläche durch die Einbeziehung von Stränden bei Niedrigwasser ab 2019 um 160 km² größer geworden ist).
- ↑ Bevölkerung nach Wohnsitz, Nationalität, Familienstand, Alter und Geschlecht. In: statbel.fgov.be. Statbel – Direction générale Statistique – Statistics Belgium (Föderaler Öffentlicher Dienst); abgerufen am 17. Februar 2025
- ↑ Population growth (annual %). In: World Economic Outlook Database. Weltbank, 2022, abgerufen am 22. Oktober 2022 (englisch).
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