Anständige Arbeit mit modernen Mitteln
Wir wollen — vor allem durch unsere Publikationstätigkeit — einer möglichst breiten Öffentlichkeit qualifizierte Auseinandersetzungen bieten, ohne uns durch die Produktion von Zerstreuung auf Hochglanz dem Geschmack eines Publikums anzupassen, das wir — so realistisch sind wir — der Kommerzpresse überlassen, solange sich das Publikum diese noch zumuten läßt. Wir wissen aber, daß die für uns erreichbare Öffentlichkeit erstens nicht so klein ist, wie alle tun und daß sie zweitens groß genug ist, um unseren Aufwand an Infrastruktur und Arbeit längerfristig auch wirtschaftlich zu rechtfertigen. Wir meinen also gute Gründe für die Annahme zu haben, daß sich unsere Obsession (siehe vorangehende Seiten) auch zur Profession entwickeln läßt.
Würden wir das nicht annehmen, so sollten wir besser heute als morgen zusperren, denn mit ausschließlicher Selbstausbeutung als Freizeitgestaltung läßt sich — zumal in solch leistungsorientierter, geschwindigkeitsrauschender und hochtechnisierter Zeit — auch keine anständige Arbeit mehr machen. Wer auch nur eine annäherungsweise Ahnung davon hat, welchen enormen Aufwand kommerzielle und staatliche Wissenschaftsbetriebe einerseits und Medienunternehmen andererseits treiben, um ihre Produkte fragwürdigen gesellschaftlichen Nutzens mit steigender Wucht auf den Markt zu werfen und damit ihn (den Ahnenden) wie uns immer vollendeter vor gesellschaftliche Tatsachen zu stellen, die selten die unseren sind, der wird einsehen, daß es mehr als ein paar klapprige Schreibmaschinen und einen — den — Computer der vorletzten Generation braucht, um sich mit einem Projekt, das nicht für den Markt, sondern für Menschen arbeitet, überhaupt noch zu behaupten.
Inhaltliche Arbeit braucht Infrastruktur in Form von Bureau und Archiv, braucht sinnvoll-moderaten Einsatz von Computer und Telefonie, auch wenn’s nicht die Forschungsabteilung des XY-Konzerns ist. Eine Zeitschrift will mit ebensolchen Mitteln produziert werden, auch wenn sie kein „Mediaprint“-Produkt ist.
Wir haben uns nicht aufs bloße Schnorren ausgerichtet, im Gegentume: Unser Konzept sieht einen möglichst großen Anteil an Finanzierung aus eigener wirtschaftlicher Tätigkeit vor (siehe auch Statuten); auch staatliche Subventionen werden wir nicht verschmähen. Um solche Eigenwirtschaft überhaupt aufbauen zu können, werden wir aber auch auf Spenden angewiesen sein:
aus: Conpost 3/91 (Beihefter zu JURIDIKUM 3/91)


