Weg und Ziel, Heft 4/1996
Oktober
1996

Die österreichischen Spanienkämpfer

Eine Bilanz

Am 22. Oktober dieses Jahres werden es sechzig Jahre, daß in Albacete, damals eine Stadt mit 43.000 Einwohnern in der Mancha, der Heimat Don Quijotes, die Internationalen Brigaden gegründet wurden, die nicht nur rechtslastige Historiker abwertend „Komintern-Armee“ nannten.

Dabei wird ganz übersehen, daß es schon vor der organisierten Hilfe für die bedrängte Spanische Republik eine beispiellose Sympathiewelle, die sich im Zustrom von Freiwilligen aus aller Welt und dem ganzen Spektrum des Antifaschismus manifestierte, gab.

Die Sowjetunion sprang auf diesen bereits in Fahrt befindlichen, militärischen Hilfszug auf. An humanitärer Hilfe und Sympathiebezeugungen hatte sie sich schon vom Anfang an beteiligt. Zweifellos war die Komintern, bzw. die von ihr angeleitete Rote Hilfe der Organisator, nachdem bis zu diesem Zeitpunkt auch die Sowjetunion am Verhandlungstisch der famosen Nichteinmischungskommission gesessen war. Sie mußte jedoch bei den Verhandlungen feststellen, daß diese Kommission zwar jede Hilfe für die rechtmäßige Regierung, nicht aber für die Rebellen unterband. Gab es also bis zu diesem Zeitpunkt auf Seiten der Regierungstruppen einige Hundert Freiwillige, so intervenierten Deutschland, Italien und Portugal bereits vom ersten Tag des Putsches an massiv mit Menschen und Material zugunsten der Rebellen.

Brachten doch deutsche und italienische Flugzeuge schon in den ersten Wochen Francos Fremdenlegionäre und Maurische Söldner von Spanisch-Marokko auf das Festland, um die in Bedrängnis geratenen Rebellen zu unterstützen. Dies war für jedermann, der es wissen und sehen wollte, klar ersichtlich. In der Nichteinmischungskommission blockte der Vertreter Englands alle Hinweise darüber ab und der Vertreter der sozialistischen Regierung Leon Blum in Frankreich assistierte ihm dabei. Diese Haltung ist für heutige Betrachter der Situation umso unverständlicher, als ein Sieg der Rebellen jedem Strategen sagen mußte, daß dieser Sieg in einer sich bereits abzeichnenden Auseinandersetzung mit dem auf eine „Neuordnung Europas“ erpichten Nazi-Deutschland, sich zum Nachteile Englands und Frankreichs auswirken würde.

Waren es also bis zum 22. Oktober 1936 die über die ganze Bandbreite des weltweiten Antifaschismus verteilten Freiwilligen, welche ohne fremdes Zutun und Hilfe nach Spanien gekommen waren, so setzte nun der organisierte Zustrom unter der Ägide der Roten Hilfe ein. Das heißt aber nicht, daß nicht auch weiter Freiwillige — speziell Ärzte oder andere Spezialisten — mit Hilfe anderer spanischer Volksfrontorganisationen, republikanischer Auslandsvertretungen oder sympathisierender Organisationen, aus allen Teilen unseres Planeten nach Spanien kamen.

Wie war dies nun bei den Österreichern?

Wir können hier, chronologisch gesehen, vier Gruppen feststellen.

  1. Österreichische Freiwillige, die beim Ausbruch der Kämpfe schon in Spanien waren. Unter diesen gab es bereits in den ersten Tage der Kämpfe, in Barcelona, zwei Tote. Gregor Starke und ein gewisser Mechter fielen beim Sturm auf die Atarazanas-Kaserne, in der sich Putschisten verschanzt hatten.
  2. Die Gruppe derer, die ohne materielle und logistische Hilfe schon wenige Tage nach Ausbruch der Kämpfe aus Österreich nach Spanien eilten und noch in den Milizeinheiten im Aragon kämpften. Einer davon, Franz Maizan aus Graz, war bis zur italienisch-französischen Grenze bei Ventimiglia mit dem Fahrrad gefahren und fiel beim Sturm auf die Eremitage Santa Quiteria, am 20. Oktober 1936.
  3. Die Freiwilligen aus der Sowjetunion, durchwegs ehemalige Schutzbündler. Es waren 164 Mann. Die ersten verließen die Sowjetunion Ende Oktober. Unter ihnen der spätere, letzte Kommandant der 11. Internationalen Brigade, der Floridsdorfer Arbeiter Anton Dobritzhofer, der sich in Spanien Adolf Rainer nannte. Sie hatten, wie übrigens alle noch 1936 nach Spanien fahrenden Schutzbündler, keine militärische Ausbildung, außer der, die sie seinerzeit beim Schutzbund bekommen hatten. Ihnen folgten bis Ende 1936 etwa 30 weitere Freiwillige, immer in Dreiergruppen. Die Reise erfolgte per Bahn, Schiff und Flugzeug über die Nordroute: Leningrad — Finnland — Schweden und Dänemark, und die Reisenden, die bei ihrer Flucht 1934 aus Österreich, im Feber 1934, ja keine gültigen Reisepässe hatten, wurden mit gefälschten Reisedokumenten ausgerüstet und behielten ihre falsche Identität.
    Anders verhielt es sich bei den im Frühjahr 1937 aus der Sowjetunion nach Spanien Kommenden. Sie machten eine sechswöchige militärische Ausbildung (in Rjasan Infanterie, in Gorki Panzer und Panzerautos, in Tambow Pioniere) und kamen schon als Leutnante nach Spanien. Bei den nächsten, im Sommer und Herbst 1937 nach Spanien Gekommenen wurde zwar an der Ausbildung festgehalten, nach Spanien kamen die Kursanten jedoch als gewöhnliche Soldaten. Die meisten von diesen kamen über die Südroute — von Odessa mit dem Schiff —, hatten also keine „Grenzprobleme“ und behielten ihre wahre Identität meist bei. So kommt es, daß von den 164 Freiwilligen aus der Sowjetunion nur 61 einen „Nom de Guerre“, einen Decknamen, hatten.
  4. Der größte Zustrom, die größte Gruppe, kam aus der Heimat, dem kleriko-faschistischen Österreich, in der alle Arbeiterorganisationen, also auch die Rote Hilfe, verboten waren. Hier war der Andrang so stark, daß die verantwortlichen Organisatoren vorerst Wert darauf legten, nur in Spanien sofort einsetzbare, ausgebildete Soldaten, Chauffeure und anderes, technisches Personal zu schicken. Hingewiesen wurde auch darauf, daß die Freiwilligen ein Mindestalter von 21 Jahren haben müßten. Unter den Freiwilligen, sowohl aus der Heimat als auch der Sowjetunion befanden sich nachweislich solche, die nur dem Schutzbund und/oder den Revolutionären Sozialisten angehörten, also keine Mitglieder der KPÖ waren und ihre Organisationen weder in Spanien noch nachher verließen. Nicht uninteressant dürfte es sein, daß die Wiener Organisatoren zu dieser Zeit Kontakt zu führenden Sozialdemokraten, wie Major Alexander Eifler und einem Major Bauer vom Schutzbund hatten, um sie nach Spanien zu bringen. Dies geht sowohl aus einem Brief von Julius Deutsch als auch aus dem folgenden Polizeibericht hervor. Am 12. März 1937 hieß es im Situationsbericht des Bundeskanzleramtes — Generaldirektion für öffentliche Sicherheit — unter dem Hinweis „Streng vertraulich! Nicht für Journale!“: „Nach langwierigen Erhebungen gelang es der Bundespolizeidirektion Wien, in der Person des Schlossergehilfen Franz Storkan den Leiter einer kommunistischen Aktion auszuforschen, die sich mit der Anwerbung von Freiwilligen für die spanischen Regierungsmilizen und der Organisierung von Freiwilligen-Transporten befaßte.“

Bataillon „12. Feber 1934“

In den sichergestellten Unterlagen schienen namentlich 45 Personen und der Hinweis auf Eifler und Bauer auf. Einige von ihnen waren zum Zeitpunkt der Aufdeckung der Aktion durch die österreichische Polizei nicht mehr am Leben. Schon vor der Aufdeckung war man dazu übergegangen, die Freiwilligen nur mit Nummern zu erfassen. Am 5. März 1937 war die höchste Nummer 519. Trotz dieser Panne florierten die Transporte bereits einige Wochen später problemlos und erreichten im Juni 1937, mit der Gründung des österreichischen Bataillons „12. Feber 1934“, einen weiteren Höhepunkt. Darüber berichtete der Rundfunk Bratislava und führte die Südbahnstrecke, die Bezirke Mödling, Baden und Wiener-Neustadt an, aus denen in den Monaten Mai und Juni zahlreiche Freiwillige nach Spanien gegangen waren. Aber nicht nur mit der Waffe in der Hand wollten österreichische Antifaschisten/innen der Spanischen Republik helfen. Die Gruppe der österreichischen Ärzte war nach einem Bericht des Chefs des Internationalen Sanitätsdienstes Dr. Telge unter 27 Nationen mit 16 Medizinern beiderlei Geschlechts an fünfter Stelle hinter Polen, Deutschland, den USA und Jugoslawien, aber noch vor der Tschechoslowakei, Ungarn und England. Ebenso verhielt es sich bei den Krankenpflegern und -pflegerinnen. Ohne Zweifel war der erste Österreicher, der sich dieser Rolle verpflichtet fühlte, der altösterreichische Arzt Dr. Osias Sigall. Nach einem Bericht des Österreichischen Konsulates in Barcelona „ist er schon in den ersten Tagen als Arzt mit einer von Barcelona aus organisierten Kolonne mitgegangen. Die Kolonne wurde von der hiesigen Regierung und den Arbeiterformationen gebildet, um an dem Kampfe gegen die Rebellen von Zaragoza teilzunehmen.“ Einmalig im Sanitätsdienst der Internationalen Brigaden dürfte auch die Tatsache gewesen sein, daß sich die von diesem Dienst betreuten Soldaten, manchmal auch geringschätzig und übelwollend als „Söldner“ bezeichnet, einen Teil der medizinischen Versorgung selbst bezahlten. Bis Juli 1937 hatten die Soldaten der Internationalen Brigaden vier Millionen Peseten für den Sanitätsdienst gespendet. Die Abteilung für Hygiene und Desinfektion unterstand dem Grazer Chemiker Dr. Ferdinand Bilger, Sohn des gleichnamigen Grazer Universitätsprofessors. Die Wiener Ärzte Dr. Fritz Jensen-Jerusalem und Dr. Walter Freudmann engagierten sich nach der Niederlage in Spanien beim Chinesischen Roten Kreuz und halfen dort bei der Niederwerfung Japans. Dr. Max und Maria Langer emigrierten nach Lateinamerika. Maria wurde eine weltweit anerkannte Psychoanalytikerin. Dr. Fritzi Brauner schließlich lebt heute in Paris. Gemeinsam mit ihrem Gatten Dr. Alfred Brauner, der ebenfalls im Internationalen Sanitätsdienst in Spanien tätig war, widmet sich die heute Fünfundachtzigjährige der Organisation „Ärzte gegen den Krieg“ und der Therapie kriegsgeschädigter Kinder. Nicht unerwähnt soll die 1907 in Drohobyez geborene Dr. Anna Hammermann bleiben. Sie geriet bei der Auseinandersetzung Titos mit der Sowjetunion in Jugoslawien in Schwierigkeiten und konnte erst nach einem Zwangsaufenthalt in Montenegro das Land verlassen. Sie verstarb 1994 im Kibbuz Ginossar am Tiberias-See.

Zwei der in Spanien tätig gewesenen österreichischen Krankenschwestern, Paula Draxler und Anny Peczenik, verloren im Kampfe für die Wiedererstehung unserer Heimat ihr Leben. Paula Draxler wurde in Paris, in GESTAPO-Haft, erschossen und Anny Peczenik im KZ-Buchenwald vor Weihnachten 1944 gehenkt. Sie waren ein Teil der Gruppe von Österreichern, welche im Rahmen des französischen Widerstandes über ganz Frankreich verteilt wirkten. Ein Teil von ihnen kehrte 1943 — unter der Parole „Gesicht zur Heimat“ — als Fremdarbeiter getarnt, nach Österreich zurück, um hier „am Aufbau einer Wiener Leitung der KPÖ“ mitzuwirken. Was sie nicht wußten, war der Umstand, daß im Zentrum der Bemühungen bereits ein Spitzel der GESTAPO saß. Es kam immer wieder zu Massenverhaftungen in den Betrieben, in denen es gelungen war, Betriebsorganisationen aufzubauen. Dutzende Todesurteile und langjährige Kerkerstrafen waren die Folge. Die aus Frankreich Eingeschleusten — fast durchwegs österreichische, jüdische Spanienkämpfer — wurden nicht einmal vor Gericht gestellt.

Bei ihnen wurde der § 1 der XIII. VO zum Reichsbürgergesetz vom 1. Juli 1943 angewendet, in dem es heißt: „Strafbare Handlungen von Juden werden durch die Polizei geahndet.“ Die jüdischen Spanienkämpfer Ing. Walter Greif, Ludwig Beer, Walter Haider und Rene Hajek, wurden nach ihrer Einlieferung in ein deutsches KZ dort liquidiert. Gundl Steinmetz, welche in Brüssel bei ihrer Verhaftung von einem GESTAPO-Beamten angeschossen wurde, gab ihre Identität nie preis. Sie wurde als Elsässerin Helene Fischer vom Inquisitenspital Brüssel nach Bonn und nach einer Bombardierung des dortigen Spitals weiter verlegt. Durch diesen Umstand verlor die GESTAPO ihre Spur und ist sie der Liquidierung entgangen.

Zahl der österreichischen Spanienkämpfer

Kommen wir nun zur Zahl der österreichischen Spanienkämpfer. Nach mehr als zehnjährigen Recherchen in Österreich, Deutschland, Spanien, Frankreich und Rußland kann ich mit Sicherheit sagen, daß die Zahl der österreichischen Freiwilligen auf Seiten der Spanischen Republik bei 1.500 lag. Alle anderen Zahlen gehören in das Reich der politischen Propaganda oder Spekulation. Andreu Castells bringt in seinem Buch „Las Brigadas Internacionales de la Guerra de Espana“ chronologisch geordnet drei Statistiken, in denen die österreichischen Freiwilligen mit 846, 1045 und 1507 angeführt sind. Zum weiteren Vergleich, bzw. zur Feststellung der genauen Anzahl von österreichischen Freiwilligen in Spanien, dienen die im IML-Moskau, Zahl 5456-71, „Statistische Angaben über die österreichischen Freiwilligen in Spanien“, von der österreichischen Sektion der Kaderabteilung in Albacete zusammengestellten Zahlen. Danach waren am 22. Dezember 1937 1063 Österreicher numerisch erfaßt. Zu diesen kamen noch 106 inzwischen Gefallene und 41 andere Personen (4 im Auslandsurlaub, 10 repatriiert, 17 Deserteure und 10 gleich bei ihrer Ankunft Zurückgeschickte), so daß bis zu diesem Zeitpunkt 1216 Österreicher nach Spanien gekommen waren. In einer zweiten Liste — unter der gleichen Signatur -, welche nach der Zurückziehung der Freiwilligen im September 1938 angelegt worden war, wurden 1133 Österreicher erfaßt. Zählt man zu diesen die nachweislich 235 Gefallenen hinzu — von 85 Prozent wissen wir Ort, Art und Zeitpunkt ihres Todes — so ergibt das fast genau die Zahl der heute im Spanien-Archiv im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands aufliegenden Dossiers von 1368. Nicht vergessen darf man die Tatsache, daß nicht alle Österreicher, wenn auch der überwiegende Teil, vom Kaderbüro erfaßt waren. Eine Besonderheit des österreichischen Bataillons bestand darin, daß es bereits bei seiner Gründung 30 Prozent Spanier in seinen Reihen hatte und alle Offiziere und der Großteil der Mannschaft ehemalige Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes waren. Nicht unerwähnt sollen die 269, von der Kaderabteilung angefertigten „Characteristicas“, wir würden Dienstbeschreibungen sagen, bleiben. Sie wurden für 208 KPÖ-Mitglieder und 61 Nichtmitglieder angelegt. Wie bei allen Dienstbeschreibungen, zu allen Zeiten und in allen Ländern und Organisationen, sind in diese Sympathie und Antipathie eingeflossen. Zur Ehre der österreichischen „Zeugnisverteiler“ muß aber gesagt werden, daß sie sich, zum Unterschied anderer Nationen, von denen mir Characteristicas bekannt sind, fair benahmen, nie unter die Gürtellinie gingen. Was mir aber als gemeinsames Merkmal dieser Dienstbeschreibungen auffällt, ist die Sinnlosigkeit einer „Kaderpartei“. So mancher, der 1939 die höchste Stufe, „Kader“, erreicht hatte, entpuppte sich bis 1945, beim bitteren Weg durch die französischen und deutschen Gefängnisse und Konzentrationslager, menschlich und politisch als kleines Licht — und dies ist noch milde ausgedrückt — während so mancher als „politisch unklar“ oder gar „deklassiert“ Eingestufte seinen Gefährten und Leidensgenossen durch seine Haltung und sein Benehmen bei der GESTAPO und den SS-Schergen im KZ Kraft zum Überleben gab. Einige Bemerkungen zu den Opfern, die man eigentlich nicht erwartet hatte, den sogenannten Stalinopfern.

Für mich waren sie ein Opfer des Systems, da es solche auch im Jugoslawien Titos gab. Die Zahl wird, was die österreichischen Spanienkämpfer betrifft, die in die Sowjetunion gingen, maßlos überzeichnet. Es sind dies Josef Frank aus Wiener-Neustadt, der als Invalide in die Sowjetunion kam und dort, nach einer Verurteilung als „deutscher Spion“ zu 10 Jahren Lager, am 3. Juli 1943 in einem solchen verstarb. Am 16. Jänner 1989 wurde er rehabilitiert, wie auch Emil Jork, der nach einer schweren Augenverletzung ebenfalls in die Sowjetunion kam. Von ihm ist amtsbekannt, daß er am 12. Oktober 1942 im Gulag Bogoslawski war. Sein weiteres Schicksal konnte bis dato nicht geklärt werden.

In Jugoslawien schließlich wurden die beiden österreichischen Spanienkämpfer Josef „Martin“ Presterl und Paul Gasser im sogenannten „Dachauer-Prozeß“, zusammen mit anderen jugoslawischen Spanienkämpfern in Laibach unter den unsinnigsten Beschuldigungen zum Tode verurteilt und hingerichtet. In den, durch den Prozeß ausgelösten, Pressepolemiken spielten die KPÖ-Medien keine besonders gute Rolle. In verschiedensten deutschen Konzentrationslagern verstarben oder wurden, als Juden und im Zuge der Euthanasie-Aktion „13 f 14“ 84 österreichische Spanienkämpfer — Frauen und Männer — exekutiert. An sie erinnern zwei Namenstafeln in den KZs Dachau und Mauthausen.

Als englischer Fallschirmagent starb der Revolutionäre Sozialist Hubert Mayr, während Franz Tesar, die Brüder Hans und Leopold Dittrich, Franz Berger sowie Josef Dycka das gleiche Schicksal im Auftrage der Roten Armee erlitten. Franz Löschl, Laurent Mraz, Karl Trucker und Ernst Fürbas erreichten ihre Einsatzgebiete nicht. Die ersten zwei stürzten mit einer englischen Maschine am 21. April 1941 in der Nähe des Tegernsees ab, während bei Brjansk ein Monument an das gleiche Schicksal von Trucker und Fürbas erinnert. Herbert Lenhart kam bei einem Einsatz in der Slowakei ums Leben. Josef Goldberger und Franz Zivny wurden nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Charkow erschossen. Beide waren in der GESTAPOSonderfahndungsliste UdSSR erfaßt. Leopold Engelman wurde als Angehöriger der Kampfgruppe Steiermark, der noch die Spanienkämpfer Fritz Tränkler, Walter Wachs, Hans Griebaum, Karl Sattler, Toni Sandmann und Johann Kriftner angehörten, am 1. April 1945 im RAD-Lager St. Oswald ob Freiland durch Genickschuß getötet. Seine Mörder kamen 1946 vor einem Grazer Gericht mit lächerlich geringen Strafen davon. Otto Schatko war unter den Opfern, welche die GESTAPO-Graz am 3. April 1945 am Feliferhof, erschoß.

Die österreichischen Spanienkämpfer haben ohne Zweifel einen Teil der Forderungen, welche in der Moskauer Deklaration festgeschrieben waren, erfüllt. Nicht am Ulrichsberg fand die Wiedergeburt unserer Heimat statt, sondern vor Madrid und im Widerstand während des Zweiten Weltkrieges. Nicht Löhr, Rendulic und der „hochdekorierte“ Major Walter Nowotny haben zur Wiederherstellung unserer Heimat beigetragen, sondern die Kämpfer, die nie Helden sein wollten und derer man sich, wenn überhaupt, nur dann erinnert und bedient, wenn die „Staatsräson“ es für das Ausland gebietet. Das Engagement dieser Frauen und Männer in Spanien und später ist jedoch nur vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung der dreißiger Jahre zu verstehen. Die Vernichtung des „Roten Wien“, wo durch eine Gemeindeverwaltung trotz der allgemeinen, weltwirtschaftlich so ungünstigen Lage, eine glänzende Probe zur Bewältigung kommunal-, sozial- und kulturpolitischer Probleme abgelegt wurde; das scheinbar unaufhaltsame Vordringen des Faschismus in Europa und die damit verbundene Gefahr des nächsten Weltkrieges; die brutal zerstörte Illusion, daß der Sozialismus — was immer man darunter verstand — mit dem Stimmzettel zu erringen und auch zu verteidigen sei.

Wie sollte man da nicht einem Volk zu Hilfe eilen, das sich gegen die gleichen Kräfte und verhängnisvollen Entwicklungen stellte. Nie werde ich das Plakat vergessen, welches ich am Tage meiner Ankunft in Spanien, in der Festung Figueras, sah. Es zeigte einige tote Kinder auf dem Pflaster von Madrid. Sie waren Opfer eines Bombenangriffs der Legion Condor. Darüber die prophetischen Worte: „Hoy Espana, Manana el Mundo“ — „Heute Spanien, morgen die Welt“. Aber Guernica war für die damals Verantwortlichen in den westlichen Demokratien kein Thema. Warschau, Rotterdam, Coventry und in der Folge Dresden aber waren nur die Folgen dieser Politik.

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